Madrid - Erst das Gegentor, dann die bösen Gesten - Mark van Bommel hat die Anhänger von Real Madrid gleich doppelt in Rage versetzt.
Dabei wusste der spanische Fußball-Rekordmeister selbst nicht so genau, worüber er sich mehr ärgern sollte: Über van Bommels Anschlusstreffer für Bayern München zum 2:3 oder über die obszönen Gesten, mit denen der Bayern-Profi seinen Treffer kurz vor Abpfiff des Champions-League-Spiels im Madrider Bernabéu-Stadion feierte.
Wegen seiner Fuck-you-Gesten droht dem Niederländer nun möglicherweise eine Sperre für das Achtelfinalrückspiel. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) leitete eine Untersuchung gegen van Bommel wegen des Verdachts des unsportlichen Verhaltens ein. Auch der eingewechselte Bayern-Profi Hasan Salihamidzic könnte Ärger mit der UEFA bekommen. Dem Bosnier wurde in spanischen Medien vorgeworfen, in Richtung Publikum gespuckt zu haben. In diesem Fall warten wir die offiziellen Berichte ab, bevor wir eine Entscheidung treffen, sagte ein UEFA-Sprecher der dpa.
Reals Verteidiger Roberto Carlos forderte die UEFA auf, beide Bayern-Spieler hart zu bestrafen. Ein solches Verhalten hat im Fußball nichts zu suchen, sagte der Brasilianer. Real Madrid sah in den Gesten van Bommels eine Provokation. Diese hätten im Publikum schwere Zwischenfälle auslösen können, argumentierten die Madrilenen nach Angaben des Sportblatts Marca.
Die Bayern dagegen taten die Szene als Lappalie ab. Über den Torjubel van Bommels muss man sich nicht aufregen, meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Da kann gar nichts passieren. Das ist lächerlich. Marca nutzte den Wirbel dazu, die Stimmung für das Rückspiel anzuheizen.
Dafür werden die Bayern zahlen, titelte Spaniens meistverkaufte Zeitung. Real muss im Rückspiel Rache nehmen und die Münchner aus dem Wettbewerb werfen. Das Blatt forderte die Real-Profis auf: Schneidet Euch das Foto van Bommels aus und klebt es an Eure Kabinenwand! Zum Ärger in den Madrider Gazetten trug auch bei, dass der Niederländer vor kurzem noch das Trikot des Erzrivalen FC Barcelona getragen hatte.
Van Bommel selbst entschuldigte sich für seine Gesten, aber nur halbherzig: So etwas tue ich normalerweise nicht. Ich entschuldige mich bei den Fans, aber nicht bei bestimmten Real-Spielern. Der Niederländer schien ohnehin geladen ins Spiel gegangen zu sein. Er schimpfte fast ständig und legte sich mit seinen Mitspielern Lukas Podolski und Claudio Pizarro an. Auf dem Platz sagt man die Dinge nicht auf sanfte Weise, rechtfertigte sich der Bayern-Profi.
Die Madrider Sportzeitung As befand, dass der Treffer van Bommels für Real viel schlimmer sei als die Fuck-you-Geste: Dieses verfluchte Tor! Damit wurden die Madrilenen für ihre Feigheit in der zweiten Halbzeit bestraft. Dass Real abbaute lag auch daran, dass David Beckham die Puste ausging. Zuvor hatte der Engländer mit seinen Flanken, Pässen und Freistößen bewiesen, dass er trotz seines anstehenden Wechsels in die USA noch immer ein Weltklasse-Fußballer ist. Beckham hat eine Stunde unglaublich gespielt, musste sogar Uli Hoeneß einräumen. Der Bayern-Manager hatte kürzlich noch gelästert, Beckham gehöre nach Hollywood und ins Show-Business.
Die Fans im Bernabéu-Stadion ließen den Engländer hochleben. Für neuen Ärger sorgte dagegen der Brasilianer Emerson. Der Ex- Leverkusener erhielt in der Schlussphase von Trainer Fabio Capello die Aufforderung, sich für eine Einwechselung aufzuwärmen. Emerson weigerte sich jedoch und blieb auf der Ersatzbank sitzen.
Das Publikum nahm den italienischen Coach, der mit einer angeblichen Rücktrittsdrohung vor der Partie für Aufregung gesorgt hatte, praktisch nicht zur Kenntnis. Es gab nicht einmal Pfiffe für Capello. Der Trainer wollte von dem Theater nichts mehr wissen. Dazu sage ich nichts, antwortete er verärgert auf eine Frage nach seiner Zukunft bei Real.
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