Hamburg - Vor neun Monaten wollten ihn einige beim Hamburger SV schon zum Teufel jagen, nun sitzt der Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten fester denn je im Sattel. Zumindest bis Dezember 2010 darf Dietmar Beiersdorfer die sportlichen Geschicke des dienstältesten deutschen Erstligisten lenken.
Knapp 40 Minuten hatte es gedauert, dann war sich der Aufsichtsrat einig: Der im März nächsten Jahres endende Vertrag mit dem 43-Jährigen wird verlängert. Mit 11:0 Stimmen hätte das Votum nicht eindeutiger ausfallen können. Selbst Willi Schulz, vor einem halben Jahr größter Kritiker des Sportchefs im Aufsichtsrat, votierte für Beiersdorfer. Der 68 Jahre alte ehemalige Nationalspieler, der sich derzeit zur Kur in Italien aufhält, gab aus der Ferne sein Jawort. Dietmar Beiersdorfer ist unser Mann, sagte der dreifache WM-Teilnehmer. Er hat sich positiv entwickelt, hat aus Fehlern der Vergangenheit gelernt. Der HSV hat mit seiner Weiterverpflichtung alles richtig gemacht.
Noch im Winter hörte sich das anders an. Als der HSV ans Tabellenende stürzte und Sichtkontakt zur 2. Liga hatte, war Schulz der erste, der aussprach, was die Mehrheit in den führenden Gremien dachte: Wir müssen den Trainer wechseln, wohl auch den Sportchef. Beiersdorfer-Freund Thomas Doll musste für Huub Stevens Platz machen.
Der Sportchef selbst, der eine funktionierende Mannschaft durch die Abgabe von Leistungsträgern wie van Buyten, Boulahrouz, Barbarez oder Beinlich aus der Bahn geworfen und mit Neueinkäufen Pech hatte, wankte, aber er blieb. Schließlich rettete ihn der Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates von Kritiker Udo Bandow zu Befürworter Horst Becker.
Beiersdorfer ist die Achterbahnfahrten mittlerweile gewöhnt. Bevor ihn die sportliche Krise beinahe fortgespült hätte, war er als weitsichtiger Architekt des HSV gepriesen worden, der dem Verein Strukturen gibt. Nun steht er wieder im Licht. Denn sportlich ist unter Trainer Stevens alles im Lot. Zudem sammelte der Sportdirektor mit den Neuerwerbungen Romeo Castelen und Jerome Boateng Punkte, heimste Lob für die Früchte seines Nachwuchskonzeptes (Änis Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Sydney Sam) ein und erwarb sich vor allem mit der kompromisslosen Haltung im Wechseltheater um Kapitän Rafael van der Vaart Anerkennung. Dietmar Beiersdorfer macht einen tollen Job, lobte Aufsichtsratschef Becker.
Erneut viel Arbeit könnte auf Beiersdorfer zukommen, falls Trainer Stevens sich in der Winterpause entschließt, am Saisonende seine Trainerkarriere zu beenden. Der Niederländer will seine Entscheidung vom Gesundheitszustand seiner Frau Toos abhängig machen, die seit vielen Jahren an einer Darmerkrankung leidet. Sollte sich die Trainerfrage stellen, hofft Beiersdorfer erneut auf ein glückliches Händchen.
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