Hamburg - Seiner alten Liebe drückt er im Titelrennen die Daumen, doch bei aller Vorfreude auf die Rückkehr zum FC Schalke 04 hat Huub Stevens nur das Wohl des jetzigen Arbeitgebers im Blick.
Ich freue mich auf das Wiedersehen. Ich habe auf Schalke noch viele Freunde und dort wunderbare Zeiten erlebt. Aber jetzt ist meine Aufgabe, den Abstieg des Hamburger SV zu verhindern, stellte der 53 Jahre alte Niederländer vor dem brisanten Duell der Hanseaten beim Bundesliga-Spitzenreiter klar.
Auch wenn zwei Herzen in seiner Brust schlagen und die Aufgabe verdammt schwer werde, betonte Stevens: Wir haben noch elf Endspiele und absolut nicht zu verschenken. Wir sind auf jeden Punkt angewiesen. Ungeachtet dessen ist Stevens hundertprozentig davon überzeugt, dass Schalke sich den Traum von der Meisterschaft erfüllen wird: Sie waren schon vor Saisonbeginn mein Favorit und dabei bleibe ich, sagte er der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Ihm selbst blieb dieser Coup als Coach der Meister der Herzen 2001 versagt, dennoch steht Stevens mit dem unvergessenen UEFA-Cup-Triumph 1997 sowie den DFB-Pokalsiegen 2001 und 2002 für die erfolgreichste Ära des Clubs. Nicht zuletzt deshalb werden ihn die Verantwortlichen und Fans freundlich empfangen. Wir hatte eine tolle Zeit mit Huub, sagte Schalke-Manager Andreas Müller, er ist hier noch immer gern gesehen, weil er große Verdienste um den Verein hat.
Anders als Stevens beschleicht HSV-Keeper Frank Rost ein etwas eigenartiges Gefühl vor der Rückkehr nach Schalke, wo er von Trainer Mirko Slomka in der Hinrunde zur Nummer 2 degradiert worden war und sich demontiert fühlte. Gleichwohl bemüht sich Rost, der beim HSV nach dem Wechsel im Winter schnell zur Führungsfigur wurde und großen Anteil am Aufschwung hat, um Gelassenheit. Das ist abgehakt, sagte der 33-Jährige, der erstmals seinem Nachfolger Manuel Neuer direkt gegenübersteht. Gegen den 20-Jährigen hegt er keinen Groll. Manuel ist ein guter Kerl, der großes Potenzial hat, so Rost im kicker. Neuer, der in seinem 16. Bundesliga-Einsatz am vorigen Sonntag gegen Bayer Leverkusen (0:1) sein erstes Spiel verlor, gibt die Komplimente zurück: Ich hatte nie ein Problem mit Frank und habe viel gelernt.
Auch Müller und Slomka wollen vor der wichtigen Partie kein Öl ins Feuer zu gießen. Hier spielt nicht Schalke gegen Rost oder Stevens, sondern Schalke gegen den HSV, betonte Müller. Er findet es unverantwortlich, dass in den Medien in Zusammenhang mit Rost das Wort Hass benutzt wurde. Dann brauche man sich nachher nicht über Aggressionen auf den Rängen zu wundern.
Für die Clubs zählt ohnehin nur der sportliche Erfolg. Nach zuletzt nur einem Punkt aus zwei Spielen wollen die personell geschwächten Schalker auch ohne ihren gesperrten Spielmacher Lincoln beweisen, dass sie allen Unkenrufen zum Trotz nicht das große Zittern bekommen. Die Mannschaft ist nicht verunsichert. Wir wollen gewinnen und die Konkurrenz unter Druck setzen, erklärte Slomka, der wieder auf den zuletzt gesperrten Lewan Kobiaschwili bauen kann. Mladen Krstajic will trotz Rippenbruchs mit einem Schutzpanzer spielen.
Auch Stevens kann nicht seine beste Elf aufbieten. Neben einigen Langzeitverletzen fällt auch Juan Pablo Sorin (Muskelverhärtung) aus, dafür winkt Guy Demel sein Comeback. Kapitän Rafael van der Vaart ist sicher, dass der Aufwärtstrend anhält: Wir kommen mit breiter Brust, weil wir endlich wieder wissen, dass wir Spiele gewinnen können.
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