Madrid - Juande Ramos war gerade aufgesprungen, um den Führungstreffer seiner Mannschaft in der 57. Minute des Viertelfinal-Rückspiels im brisanten Pokalderby beim Lokalrivalen Betis Sevilla durch Frederik Kanouté zu feiern. Doch dann wurde der Coach am Kopf getroffen.
Plötzlich fasste sich der Trainer des spanischen Erstligisten FC Sevilla mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf, geriet ins Taumeln und ging dann bewusstlos auf dem Spielfeld zu Boden: Der 52-Jährige war von einer mit Wasser und Eis gefüllten Plastikflasche im Nacken getroffen worden, die jemand aus dem Publikum auf den Rasen geschleudert hatte. Das Spiel wurde daraufhin beim Stand von 1:0 für die Gäste abgebrochen.
Ramos erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde mit einer Trage aus dem Stadion gebracht. Doch damit nicht genug: Radikale Betis-Anhänger bewarfen den Krankenwagen, mit dem er in eine Klinik gefahren wurde, mit Steinen. Tags darauf wurde der Coach entlassen und leitete sogar schon wieder das Training. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, sagte er und zeigte sich zugleich versöhnlich: Mit diesem Gewalttäter haben die echten Betis-Fans nichts zu tun.
Der mutmaßliche Flaschenwerfer konnte Stunden nach der Partie ermittelt werden. Er sei mit Hilfe der Überwachungskameras im Stadion identifiziert worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Noch habe die Polizei den Mann aber nicht festnehmen können. Augenzeugen erzählten, er sei augenscheinlich betrunken gewesen.
Die Presse schlug derweil Alarm. Sie hätten Juande töten können!, stellte die Sportzeitung Marca erschüttert fest. In Spanien würden bereits Verhältnisse wie in Italien herrschen. Das ist kein Fußball mehr, meinte auch das Konkurrenz-Blatt As. Denn auch der Präsident des FC Sevilla, José María del Nido, war auf der Tribüne beschimpft und von einem Feuerzeug am Nasenbein verletzt worden. Die Spieler des UEFA-Cup-Siegers hatten ihre Umkleideräume wegen eines beißenden Gestanks zunächst gar nicht betreten können: Jemand hatte den Boden mit Natronlauge und Ammoniak geputzt.
Allerdings sind beide Clubs an der Schande von Sevilla (El País) nicht schuldlos. Die Führungen der zwei für ihre erbitterte Feindschaft bekannten Vereine hatten sich in den vergangenen Wochen heftigst attackiert und damit zur Eskalation in der südspanischen Metropole maßgeblich beigetragen. Die Clubchefs Del Nido und Manuel Ruiz de Lopera müssten aus dem spanischen Fußball verbannt werden, forderte die Zeitung El País, die beide als kindische Brandstifter bezeichnete. Die Disziplinarkommission des spanischen Verbandes muss nun entscheiden, ob die Partie zu Ende gespielt oder der FC Sevilla zum Sieger erklärt wird. Auch über eine Strafe muss beraten werden.
Grund zum Jubeln hatte dagegen Bernd Schuster, der mit dem FC Getafe erstmals in der Vereins-Geschichte in das Halbfinale des spanischen Pokals einzog. Der bescheidene Madrider Vorstadt-Club, der am bevorstehenden Liga-Spieltag auf Real Madrid trifft, verlor zwar bei CA Osasuna 0:1 (0:1), hatte das Hinspiel aber 3:0 für sich entschieden. Schuster hat Geschichte geschrieben, lobte die Presse. Wir müssen auf dem Boden bleiben, warnte der deutsche Trainer jedoch vor allzu hohen Erwartungen. Auch Deportivo La Coruna und der FC Barcelona erreichten die Runde der besten Vier.
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