Berlin - Ausgerechnet gegen Rekordmeister Bayern München bei dessen Start in die Woche der Wahrheit will Hertha BSC seine Negativserie beenden und den Absturz in den Bundesliga-Durchschnitt verhindern.
Nach dem Aus im DFB-Pokal in Stuttgart schluckte Manager Dieter Hoeneß seinen gewaltigen Ärger herunter und verkniff sich eine möglicherweise kontraproduktive Brandrede. Stattdessen versuchten er und Hertha-Trainer Falko Götz, in einer Krisenrunde mit den gestandenen Profis in Berlin alle Konzentration auf diesen Samstag zu lenken. Dann proben die ihrerseits angeschlagenen Münchner für das Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid.
Das Bayern-Spiel ist günstig. Es ist eine echte Chance, innerhalb von drei Tagen etwas zu korrigieren, sagte Dieter Hoeneß vor dem Vergleich gegen den Club seines Bruders Uli. Nach der Vorrunde und einem guten Trainingslager ist die Entwicklung der Berliner aus Sicht der sportlichen Leitung ins Stocken geraten und die laut Hoeneß leistungsorientierte Harmonie verloren gegangen.
Noch mehr als Ergebnisse ärgert Hoeneß die Art und Weise. Es geht nicht um große Dinge, sondern um die Summe vieler kleiner Dinge, die sich eingeschlichen haben. Es fehlen die letzten paar Prozentpunkte, sagte Hoeneß und sieht momentan Parallelen zu den sonst so erfolgsgewohnten Bayern. Ständige Aufforderungen an seine Profis ist der Ex-Nationalspieler leid. Es kann nicht sein, dass die Impulse immer von uns ausgehen müssen, sagte der Manager. Vor den 74 500 Fans im erstmals in dieser Saison ausverkauften Olympiastadion soll der Tabellen-Sechste nach vier erfolglosen Pflichtspielen kämpferisch wieder überzeugen. Von einem Sieg will Hoeneß gar nicht sprechen.
Beim 0:2 in Stuttgart hatte ihm die Körpersprache einiger nicht entschlossen genug wirkender Hertha-Profis missfallen, während er selbst vor dem Spiel davon gesprochen hatte, die Mannschaft könne sich mit dem ersten Titel für den Hauptstadt-Club seit 1931 unsterblich machen. Das war ein ordentliches Spiel, aber nicht das Besondere, sagte Hoeneß. Trainer Götz erklärte, was er erwartet: Besondere Spiele brauchen besondere Leistungen. Die Mannschaft hat dazu das zweite Mal in dieser Woche die Chance.
Doch gerade in wichtigen Begegnungen der jüngeren Vergangenheit konnten die Hertha-Profis nichts Außergewöhnliches abrufen. 2005 verpassten die Berliner im letzten Bundesligaspiel daheim durch ein mageres 0:0 gegen Hannover die Champions-League-Qualifikation, in dieser Saison verabschiedeten sie sich im UEFA-Cup früh gegen die Dänen aus Odense und nun im DFB-Pokal. Wir haben in der Hinrunde gezeigt, wo man mit Teamgeist und risikoreicher Spielweise hinkommen kann, sagte Götz. Davon war in der Bundesliga daheim beim 1:2 gegen Mainz und dem 0:0 in Stuttgart wenig zu sehen.
Dazu kommen Baustellen außerhalb des Spielfeldes wie die seit Monaten ungeklärte Zukunft des dauerverletzten Regisseurs Yildiray Bastürk. Auch der Ärger um das nach Wolfsburg wechselnde Talent Ashkan Dejagah sorgte für reichlich Wirbel. Dazu kamen personelle Probleme, die auch am Samstag drohen: Der in Stuttgart starke, aber im Abschluss zu harmlose Dejagah ist gegen die Bayern gesperrt, zudem bereitet Kapitän Arne Friedrich die Patellasehne schmerzliche Sorgen.
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