Köln - Als Joachim Löw vor dem Länderspiel gegen Rumänien in Köln an der Deutschen Sporthochschule eine Pressekonferenz im Beisein von Studenten gab, tat sich Erstaunliches: Beim Einmarsch in den Saal setzte heftiger Applaus ein.
Auch vereinzelte Jogi-Rufe begleiteten den lässig ins überwiegend junge Publikum winkenden Bundestrainer auf dem Weg bis zum Podium. Ein Empfang mit Symbolcharakter: Hier scheint - wenige Jahre nach dem ehemaligen Teamchef Ruuudi Völler - ein Mann auf dem rasanten Weg vom Trainer-Assistenten zur Kultfigur zu sein.
Es gab schon viele Trainer vor dem 47-jährigen Löw, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) den lange Zeit traditionellen Aufstieg vom Assistenten zum Chefcoach erlebten. Sepp Herberger, Helmut Schön, Jupp Derwall, Berti Vogts - sie alle begannen im zweiten Glied. Alle holten als spätere Cheftrainer Titel für Deutschland. Aber keinem gelang ein so steiler Aufstieg wie Löw, dem es mit klarer Strategie, Konsequenz und vor allem Siegen am Fließband gelang, in nur einem Jahr aus dem Schatten des WM-Helden Jürgen Klinsmann zu treten und ein Trainer-Star mit eigenem Profil zu werden. Dabei gewinnt der smarte Freiburger auch das moderne Medien-Zeitalter clever für sich, wenn er lässig mit Seidenschal am Spielfeldrand agiert.
Es muss auch ohne Jürgen Klinsmann gehen, sagte Team-Manager Oliver Bierhoff am 12. Juli 2006 in der Frankfurter DFB-Zentrale, als der Stabwechsel vom Wahl-Amerikaner zu Löw vollzogen wurde. Es geht - und wie. Mir imponiert Joachim Löw, schwärmte DFB-Präsident Theo Zwanziger erst am vergangenen Samstag nach dem souveränen 2:0-Erfolg in Wales, mit dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Ticket zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz schon vor den letzten vier Qualifikationsspielen so gut wie lösen konnte.
Löw begeistert - im internen Kreis mit Spielern und Betreuern schon länger, aber zunehmend auch außerhalb, wie der begeisterte Empfang an der Sporthochschule offenbarte. Der Sportpsychologe der Nationalmannschaft, Hans-Dieter Hermann, bewundert die natürlichen und so von ihm noch nicht erlebten Führungsqualitäten des Schwarzwälders, der selbst unter Druck Lockerheit ausstrahlt. Und Physiotherapeut Adi Katzenmeier, der beim DFB schon Sepp Herberger erlebte, rühmt Löws Umgang mit Mitarbeitern und Spielern: Er ist immer ein Mensch.
Bei so viel Lob und sportlichen Erfolgen nehmen zwangsläufig die Rufe zu, den nach der EM 2008 auslaufenden Vertrag mit Löw vorzeitig zu verlängern. Franz Beckenbauer, der Über-Kaiser, tat das schon im Sommer und empfahl gleich einen Freibrief: Ganz gleich, was 2008 passiert, wäre es gut, wenn er länger bleibt. Denn im Moment gebe es für die Nationalmannschaft keinen Besseren als Joachim Löw mit seinem Trainerstab. Auch Bierhoff, dessen Manager-Vertrag der DFB bis 2010 verlängert hatte, möchte den gemeinsamen Weg mit Löw mindestens bis zur nächsten WM in Südafrika weitergehen. Selbst ein unwahrscheinlicher Misserfolg bei der EM müsse daran nichts ändern.
Auch Löw hat längst großen Gefallen an der Chefrolle gefunden. Schon vor dem Start in die EM-Saison bezeichnete er die WM 2010 in einem kicker-Interview erstmals als ein erstrebenswertes Ziel. Im Magazin Sport Bild deutete er Gesprächsbereitschaft über eine vorzeitige Vertragsverlängerung an: Wir müssen offen diskutieren: Wollen wir erst nach der EM verlängern, oder stimmt die grundsätzliche Entwicklung für beide Seiten? Dann kann man sich vielleicht in der Winterpause über eine Verlängerung unterhalten.
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