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HSV im freien Fall | 2006-12-17


Aachen - Als der dramatische Absturz des ruhmreichen Hamburger SV seinen Kulminationspunkt erreicht hatte, fand HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann nur eine Bezeichnung: Desaströs.

In sechs Monaten ist aus dem Champions-League-Starter ein potenzieller Fußball-Zweitligist geworden. Die Bilanz nach dem bitteren 3:3 (1:0) bei Alemannia Aachen ist erschütternd: Nur ein Sieg in 17 Bundesliga-Spielen, 13 Punkte, 16 Tore, Aus in der Champions League und im DFB-Pokal, undisziplinierte Profis, Chaos bei der Mitgliederversammlung. Die Situation ist extrem kritisch, gestand Hoffmann offen ein.

Höchst ambitioniert und ganz tief gefallen - was bleibt, ist laut Hoffmann ein einziges Ziel: Der Nicht-Abstieg. Trainer Thomas Doll soll ein Konzept vorlegen, wie der erstmalige Gang des einzigen noch nie abgestiegenen Bundesliga-Gründungsmitglieds in die 2. Liga verhindert werden kann. Hoffmanns Formel lautet: 25 plus x Punkte. Knallhart soll jetzt analysiert werden, was alles schief lief beim HSV. Das werden wir zügig, aber ohne Hast tun, kündigte Hoffmann nach diesem desaströsen halben Jahr an.

Ob Doll mit Wiederbeginn des Trainings am 27. Dezember noch das Kommando hat, ist offen. Der 40-Jährige rechnet mit allem. Mit nur 13 Punkten steht man als Trainer an der Spitze der Misere. Da hast du keine Argumente. Aus der Mannschaft kommt der Wunsch, mit ihm weiterzumachen. Es ist nicht seine Schuld. Ich hoffe, es geht weiter mit ihm, stärkte Torhüter Stefan Wächter dem Chefcoach den Rücken. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in der Rückrunde wieder läuft - mit Doll, ließ Bastian Reinhardt wissen.

Der Abwehrspieler sorgte unfreiwillig dafür, dass Hamburg den sicher geglaubten zweiten Saisonsieg vor 20 800 Fans im ausverkauften Aachener Tivoli noch verschenkte. 3:1 führte der HSV durch Besart Berisha (32. Minute), Collin Benjamin (67.) und Danijel Ljuboja (76.) bei einem Gegentor durch Laurentiu Reghecampf (62./Foulelfmeter). Dann verkürzte Cristian Fiel (77.) für den Aufsteiger, und Reinhardt (90.) bekam seinen Auftritt. Es wäre auch für einen Stürmer schwer gewesen, den so reinzubekommen, schilderte er seinen Kopfball ins eigene Netz - es war Reinhardts Eigentor-Premiere. Du fällst in ein tiefes Loch, wenn du bedenkst, was da alles dran hängt. Vorwürfe gab es keine, die bringen uns nicht weiter, meinte Hoffmann frustriert.

Stattdessen wollen sie den Kampf mit neuer Energie und neuem Elan annehmen. so Doll. Und handeln: Wir werden die Konstellation finden und die Entscheidungen treffen, die uns da raus helfen, kündigte Hoffmann an. Doch es wird schwer sein, die Fehler so zu revidieren, dass am Ende wenigstens das letzte Ziel erreicht wird. In Khalid Boulahrouz und Daniel van Buyten wurde das Abwehr-Herzstück verkauft, für einen ausgefuchsten Profi wie Sergej Barbarez gab es keinen gleichwertigen Ersatz. Doll musste bitter bilanzieren: Es tut sehr weh, wir überwintern auf einem Abstiegsplatz. Wie die Mannschaft dort wegkommen will, kündigte Abwehrspieler Volker Schmidt an: Es wird definitiv eine Aufholjagd geben, und zwar mit Gebrüll.

Bei der Alemannia dagegen herrscht Ruhe. Wir können mit 19 Punkten sehr zufrieden sein. Ich sehe optimistisch in die Zukunft, kommentierte Trainer Michael Frontzeck die erste Saisonhälfte, die am Mittwoch mit dem Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Cupverteidiger Bayern München noch einen Höhepunkt hat. Wir werden den Bayern mit Kampf entgegen treten, blickte Nationalspieler Jan Schlaudraff voraus. Am 4. Februar 2004 erlitten die Münchner beim damaligen Zweitligisten Aachen (1:2) ihre vorerst letzte Pokal-Niederlage.


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