Cottbus - Sogar Hans Meyer verging ausnahmsweise der Sarkasmus: Als ihn ein Energie-Fan trotz des schwächsten Cottbuser Bundesliga-Starts breit angrinste, war beim Trainer des 1. FC Nürnberg die Freude über den vermeintlichen Auswärtssieg schnell wieder verflogen.
Ich hatte mich schon abgedreht und gejubelt und Wortspiele mit den Zuschauern gemacht wie: So ist Fußball. Dann grinst der so, schilderte die ostdeutsche Trainer-Ikone den Moment, als ein korrektes Abstaubertor von Nicky Adler drei Minuten vor Ende nicht zählte und es beim 1:1 in Cottbus geblieben war.
Doch der falsche Pfiff von Schiedsrichter Knut Kircher traf die Nürnberger angesichts des Spielverlaufs weniger als die Cottbuser der in Überzahl verpasste erste Saisonsieg. Routinier Steffen Baumgart stellte angesichts von nur zwei Punkten fest: Jetzt sind wir im Abstiegskampf. In Meyer-Manier fügte er hinzu: Das war von Anfang an geplant - für alle drumherum, habe ich gelesen.
Bei den Lausitzern hapert es weiter mit dem Toreschießen. Wie beim 1:2 gegen den VfL Bochum sahen die 15 000 Zuschauer viele Chancen, zwei Aluminium-Treffer, aber nur das erste Bundesliga-Tor des dänischen Neuzugangs Dennis Sörensen (15./Foulelfmeter). Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Man kann ja nicht sagen, das sind Pfeifen, weil sie die Tore nicht machen, meinte der als Rechtsverteidiger aufgebotene Stürmer Baumgart trotzig.
Ich fühle mich zur Zeit nicht wohl, gestand Energie-Trainer Petrik Sander, der am liebsten schon im Sommer seinen auslaufenden Vertrag verlängert hätte, damit aber abblitzte. Sein Befinden dürfte sich während der Länderspiel-Pause kaum bessern, angesichts bevorstehender Spiele bei Meister Stuttgart und den Bayern. Dazwischen gastiert Wolfsburg, dann ist ein Sieg Pflicht. Ganz gegen seine Gewohnheit übte Sander sogar scharfe Einzelkritik am eingewechselten Chinesen Jiayi Shao: Was er hier gemacht hat, war unterste Schublade. Ich war nahe dran, ihn wieder runterzuholen.
Mit Kritik an Kircher hielten sich die Nürnberger zurück, obwohl Energie-Torwart Tomislav Piplica vor Adlers Treffer von Mitspieler Igor Mitreski und nicht von Gegenspieler Marek Mintal unterlaufen worden war. Adler konnte sich daher über sein Bundesliga-Debüt nicht recht freuen. Schade, dass mein reguläres Tor nicht zählte. Die Trauer darüber überwiegt leider, sagte Adler.
Meyer beschäftigte mehr, dass der Pokalsieger einen Tag nach der UEFA-Cup-Auslosung auch in der Lausitz keine internationale Reife erkennen ließ und der Klasse der vergangenen Saison weiter hinterher läuft. Zwar gab es auch damals in Cottbus ein 1:1, doch der Club hatte das Energie-Team über weite Strecken an die Wand gespielt. Diesmal rettete Andreas Wolf fünf Minuten vor Ende per Kopf einen Zähler, mit dem nach Gelb-Rot für Robert Vittek (63.) kaum noch zu rechnen war. Auswärts haben wir bisher besser gespielt als zu Hause, das müssen wir ändern, forderte Abwehrspieler Dominik Reinhardt.
Selbst das Aufbäumen mit zehn Mann hatte Meyer kaum beeindruckt: So groß ist der Unterschied zu vorher und nachher nicht gewesen. Unsere Probleme sind ja nicht gelöst. In der vorigen Saison haben wir mit breiter Brust und Selbstbewusstsein gespielt.
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