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Neuling Frontzeck genießt 4:2 gegen Gladbach | 2006-09-17


Aachen - Ein kurzes Winken in das euphorisierte Publikum, ein Lachen - ein Mehr an Gefühlsausbrüchen gönnte sich Michael Frontzeck nicht. Die Körpersprache des Neuen auf der Trainerbank von Alemannia Aachen entsprach keineswegs der eines Triumphators.

Dabei hätte der 42-Jährige nach dem 4:2 (2:0) des Bundesliga-Rückkehrers über Frontzecks ehemaligen Club Borussia Mönchengladbach allen Grund gehabt, sich so richtig feiern zu lassen nach einem super Nachmittag, nach einem Riesenspiel meiner Mannschaft.

Frontzeck genoss das Erlebte still. Rundum glücklich sei er, aber auch geschlaucht. Ich möchte jetzt einfach nur noch nach Hause zu meiner Frau, sagte der EM-Zweite von 1992 nach dem ersten Bundesliga-Heimsieg der Alemannia seit dem 3. Mai 1970 (3:2 gegen Duisburg). Überschwänglichkeit ist Frontzecks Sache nicht, selbst dann nicht, wenn der Sieg gegen den Trainer-Kollegen zu Stande kam, der dem damals 19 Jahre alten Fohlen Frontzeck am 13. August 1983 als Spieler zum Bundesliga-Debüt verhalf.

Borussen-Coach Jupp Heynckes war generös: Ich gönne es dem Michael. Mit seiner eigenen Mannschaft ging der Altmeister hart ins Gericht: So kann man in der Bundesliga nicht spielen. Das Defensiv-Verhalten seines Teams sei bei den Aachener Treffern durch Laurentiu Reghecampfs Handelfmeter (7. Minute), den ehemaligen Gladbacher Jan Schlaudraff (31./84.) und Marius Ebbers (51.) nicht vorhanden gewesen: Wir waren heute nicht in der Lage, dagegen zu halten. Doppel-Torschütze für die Gäste im Nachbarschafts-Duell - zwischen dem Aachener Tivoli und dem Borussia-Park in Mönchengladbach liegen nur 64 Kilometer - war Kahe (50./90.+2).

Nach dem zweiten Sieg in Folge frohlockten nicht nur die Aachener Fans unter den 20 800 Zuschauern im ausverkauften Tivoli. Besonders Schlaudraff war nach seinem ersten Doppelpack im 13. Erstliga-Einsatz (10 für Mönchengladbach) fast aus dem Häuschen: Das freut die ganze Region. Und eine kleine Spitze gegen seinen früheren Arbeitgeber konnte sich der 23-Jährige nicht verkneifen: Jetzt wird gesagt, ich müsste meine Bundesliga-Tauglichkeit beweisen - das ist schon frech.

Frech auf dem Spielfeld waren nur die Alemannen. Den plötzlichen Trainerwechsel von Dieter Hecking zu Frontzeck steckten sie weg, als hätte es ihn gar nicht gegeben. So wollen wir weiter machen. Jetzt haben wir ein schönes Spiel bei Bayern München. Das wollen wir so richtig genießen, sagte Ebbers nach seiner Erstliga-Torpremiere für Aachen. Richtig krachen lassen wollen es die Aachener beim Meister, versprach Frontzecks neuer Assistent Erik Meijer, der seine frische Rolle als Co-Trainer als Genuss empfand: Es ist lustig, das mal von der anderen Seite zu sehen.

Gar nicht lustig war Marcell Jansen, dessen unabsichtliches Handspiel von Schiedsrichter Michael Weiner mit Elfmeter bestraft wurde. Soll ich mir die Hand abschneiden? stellte Gladbachs Nationalspieler eine hypothetische Frage. Weiners Entscheidung war für den 20-Jährigen einfach lächerlich. Heynckes dagegen beugte sich den Tatsachen: Beim ersten Tor gilt auch die Regel, dass es Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Auf so etwas müsse die Mannschaft sportlich die Antwort geben und nicht lamentieren. Aachen hat uns gezeigt, wie ein Derby gespielt wird.


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