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Werder kriselt: Pfiffe beim 2:3 gegen Stuttgart | 2006-09-17


Bremen - In der 28. Minute noch als Spitzenreiter der Blitztabelle gefeiert, nach dem Abpfiff von den eigenen Fans ausgepfiffen: Bei der vierten Pflichtspiel-Niederlage hintereinander präsentierte sich Werder Bremen in erschreckender Form.

Das kommende vermeintliche Spitzenspiel gegen den Hamburger SV wird zum Krisengipfel. Nachdem der Vizemeister eine 2:0-Führung verspielt und gegen den VfB Stuttgart noch eine 2:3-Niederlage kassiert hatte, schimpfte Manager Klaus Allofs: Wenn es einige noch nicht begriffen haben sollten, dann haben sie heute vielleicht einen letzten Weckruf bekommen.

Wie groß die Probleme sind, wurde bei einem Disput zwischen Torsten Frings und Diego deutlich. Unmittelbar nach dem Stuttgarter Siegtreffer beschimpfte der wütende Frings den kleinen Brasilianer, weil der mit einer eigensinnigen Aktion den VfB-Konter eingeleitet hatte. Wenn es in so einer Situation nicht kracht, dann hat man eine tote Mannschaft, rechtfertigte Allofs die Auseinandersetzung.

Die Szene war indes symptomatisch, zeigte die Abstimmungsprobleme und die fehlende Rollenverteilung in der Mannschaft nach dem Weggang von Spielmacher Johan Micoud. Die Gegenspieler haben sich auf den dribbelstarken, aber oft eigensinnigen Diego einigermaßen eingestellt, so dass das früher so schnelle Werder-Direktspiel mit ihm nur selten funktioniert. Zumal Tim Borowski von seiner Topform weit entfernt ist und keine Hilfestellung geben kann.

Am Ausfall des Paradesturms durch die Verletzungen von Miroslav Klose und Ivan Klasnic lag es weniger, dass die Führung leichtfertig verspielt wurde. Eher am mangelnden Einsatzwillen vieler und an der fehlenden Klasse einiger. Wir dürfen nicht so ein Larifari spielen, schimpfte Torwart Tim Wiese: Wir müssen da schnellstens wieder rauskommen, wir haben ja Ansprüche. Nach der Führung durch Roberto Hilbert (4./Eigentor) und Mohamed Zidan (33.) musste der Werder- Keeper bei Treffern von Hilbert (38.), Pavel Pardo (58.) und Mario Gomez (87.) den Ball drei Mal aus dem Netz holen.

Wir haben gedacht, dass wir weiter sind, sagte Allofs und meinte: Wir haben eine Menge Arbeit vor uns. Auf die Frage, was nun zu tun sei, blieb er ähnlich ungenau wie Trainer Thomas Schaaf und antwortete: Bei einem hilft positive Verstärkung, andere müssen geschüttelt werden - da gibt es verschiedene Wege.

Schaafs VfB-Kollege war glücklich. Es ist einfach toll, in Bremen zu gewinnen, kommentierte Armin Veh. Wenn man hier 0:2 zurückliegt, holt man normalerweise nicht mehr viel. Auch wenn Probleme, etwa in der Verteidigung oder im Spielaufbau nicht zu übersehen waren, überzeugten die Stuttgarter mit ihrer Leidenschaft.

Das ist sensationell, wie wir auswärts momentan Rückstände wettmachen. Nach dem Anschlusstor haben wir an unsere Chance geglaubt und sie genutzt, lobte Torhüter Timo Hildebrand, der beim zweiten Bremer Treffer nicht gut ausgesehen hatte. Dem VfB gelang bei zwei Heimniederlagen bereits der zweite Auswärtserfolg in dieser Saison. Dennoch sagte Veh: Wir spielen lieber zu Hause, auch wenn es anders aussieht.


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