Düsseldorf - Mit minimaler Vorbereitung und beeinträchtigt vom weiter schwelenden Ausrüsterstreit muss Bundestrainer Joachim Löw die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf das erste Länderspiel des Jahres 2007 einschwören.
Wir haben nur ein Training, und das ist das Abschlusstraining. Ideal ist das nicht, monierte Löw den engen Zeitplan vor der Partie gegen die Schweiz in Düsseldorf. Nach dem Wirbel um den Schuhstreit im Spätsommer 2006 will Löw die Debatte um den künftigen Ausrüster der DFB-Auswahl vor dem Test-Duell mit dem EM-Gastgeber von seinen Spielern unbedingt fern halten. Das interessiert uns im sportlichen Bereich überhaupt nicht. Das ist nur ein Randthema für uns, sagte er.
Ein Problem ist für Löw hingegen der Zeitmangel vor dem Jahres-Auftaktmatch. Nur 10 von 20 Nationalspielern trafen sich in der Rheinmetropole - und schauten sich zunächst gemeinsam im TV den WM-Triumph der Handball-Kollegen an. Die andere Hälfte des DFB-Kaders war hingegen noch im Bundesliga-Einsatz, darunter Rückkehrer Kevin Kuranyi und Neuling Mario Gomez. Auch Löw fehlte zum verabredeten Zeitpunkt. Er beobachtete stattdessen die Partie des VfB Stuttgart bei Borussia Dortmund, sein Assistent Hans Flick nahm sechs DFB-Akteure beim Spitzenspiel von Werder Bremen gegen Schalke 04 unter die Lupe. Viele Spieler müssen am Montag noch regenerieren. Es wäre mir lieber, einen Tag mehr zu haben, klagte der Coach über die für ihn ungünstigen Liga-Ansetzungen.
Immerhin waren vor den Sonntagsspielen keine Verletzungen zu beklagen. Alle sind fit, hieß es beim DFB. Löw sieht sich in den kommenden Tagen aber ohnehin mehr in der Rolle des Seelendoktors. Gerade den von ihrer Club-Krise beeinträchtigten Bayern-Profis Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm bot der 46-Jährige seine Hilfe an. Für mich ist es wichtig, dass wir die Spieler stärken. Und wir werden sicher viele Gespräche führen, sagte Löw.
Sogar der gegen die Schweiz gesperrte Lukas Podolski floh in Richtung Düsseldorf. Dort soll er sich mit den DFB-Kollegen auf das wichtige EM-Qualifikationsspiel am 24. März in Prag gegen Tschechien einstimmen. Es ist immer schön, mal in ein anderes Umfeld zu kommen, ganz unabhängig von der Lage im Moment, sagte sein Kollege Lahm. Das DFB-Team als Aufbaustation für schwächelnde Münchner - so sieht es auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. Schweinsteiger ist verunsichert. Ich hoffe, dass er bei der Nationalmannschaft wieder aufblüht.
Negative Einflüsse durch die Münchner Malaise fürchtet Löw nicht. Ich hoffe, dass es sich nicht auswirkt. Man hat es bisher immer geschafft, dass man sich auf die Nationalmannschaft konzentrieren kann. Um seinen Kapitän Michael Ballack macht sich Löw trotz beißender Kritik an dessen Leistungen beim FC Chelsea keine Sorgen. Er ist so erfahren, so routiniert. Er ist eine Führungsperson in der Mannschaft und es mangelt ihm nicht an Spielpraxis.
Während sich erstmals seit der WM die gemeinsame Rückkehr des Innenverteidiger-Duos Per Mertesacker/Christoph Metzelder anbahnt, erklärte Löw die Generalprobe für das Tschechien-Spiel zum Charakter- Test für seine Sturmabteilung. Freuen konnte er sich über die Treffsicherheit der Kandidaten. Rückkehrer Kuranyi, Neuling Gomez und Mike Hanke haben alle schon einen Tore-Doppelpack in der Bundesliga- Rückrunde auf dem Konto und streiten nun gegen die Schweiz um einen Einsatz auch im Tschechien-Spiel, in dem Bremens Miroslav Klose gesperrt fehlen wird.
Die Partie gegen die Schweiz ist eine Bewährung für einen Platz gegen Tschechien, kündigte Löw an. Besonders der lange ignorierte Kuranyi erhielt Vorschusslorbeeren vom Bundestrainer: Er hat angeknüpft an das, was er kann. In dieser Form hat er es verdient.
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