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Stevens-Debüt verpatzt - Fans bepöbeln Spieler | 2007-02-04


Berlin - Die Verzweiflung beim Bundesliga- Dinosaurier Hamburger SV wird nach der jüngsten Last-Minute-Pleite immer größer - und jetzt bepöbeln auch noch die eigenen Fans die erfolglosen Spieler.

Als diese nach dem bitteren 1:2 bei Hertha BSC zum Training auf den Nebenplatz der AOL-Arena wollten, versperrte ihnen eine Gruppe von 20 aggressiven Fußball-Anhängern den Weg und beschimpfte sie derbe. Geschmacklose Gesänge wie Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot machten die Runde. Auf einem Spruchband wurde gefordert: Vorstand raus.

Nach dem Schnupperkurs auf der HSV-Trainerbank in Berlin leitete der wenige Stunden zuvor verpflichtete Stevens erstmals die Übungseinheiten des Tabellenletzten. Die Stimmung unter den Profis wie auch unter den 250 Zaungästen am Trainingsplatz war gedrückt. Nach 20 Saisonspielen hat der erst einmal siegreiche HSV lediglich 15 Punkte auf dem Konto und rückt dem erstmaligen Abstieg in der 44-jährigen Bundesliga-Geschichte immer näher.

Bei seinem Einstand in Berlin musste Thomas Dolls Nachfolger erleben, dass sein Team zwar erneut kurz vor dem lang ersehnten Befreiungsschlag stand, am Ende aber wieder einmal nichts Zählbares in den Händen hielt. Das ist bitter für die Spieler, aber wir müssen weiter, meinte Stevens zur Niederlage bei Hertha BSC, nach der die HSV-Profis sogar böse Mächte witterten. Langsam sollten wir einen Exorzisten suchen, sagte Bastian Reinhardt, den wie seine Kollegen immer mehr die Angst vor der 2. Liga überkommt: Irgendwann kommt das Glück sicher wieder. Ich hoffe nicht, dass dies erst in der nächsten Saison ist.

14 Spiele bleiben dem Niederländer Stevens, um dem Bundesliga-Schlusslicht jene Geister auszutreiben, die offenbar Hirn und Beine lähmen. Gegen keinesfalls überzeugende Herthaner nach einer verheißungsvollen ersten Halbzeit und der Führung durch Alexander Laas (33. Minute) fingen sich die Hanseaten den Knockout erneut in der Schlussphase ein. So eine Serie habe ich noch nie mitgemacht, klagte Dietmar Beiersdorfer. Das hat alles mit dem Kopf zu tun, aber es ist nicht nur ein mentales Problem, ergänzte der gezeichnete HSV-Sportdirektor. Sogar den Kontrahenten überkam das Bedürfnis zu helfen: Es ist ja nicht so, dass der HSV jedes Mal drei oder vier Dinger kriegt, sondern sie können eine Führung einfach nicht nach Hause bringen, erklärte Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

Der hatte mit dem Blitztransfer des brasilianischen WM-Teilnehmers Mineiro drei Tage zuvor die Voraussetzung für das nächste HSV-Übel gelegt. Obwohl seit sechs Wochen ohne jede Spielpraxis, bekam der Mann aus Sao Paulo von Coach Falko Götz sofort seine Einwechsel-Chance - und donnerte den Ball in der Nachspielzeit aus 30 Metern über den verdutzten Frank Rost hinweg zum Endstand ins Tor. Die 47 354 Zuschauer und auch Stevens hatten zuvor erlebt, wie sich die Hamburger Spieler mehr und mehr zurückzogen, schon fast um das 1:1 bettelten, so Reinhardt, das Arne Friedrich (78.) dann gelang. Wir hatten einfach die Ruhe nicht mehr, analysierte HSV-Kapitän Rafael van der Vaart, der nach seiner Rot-Sperre erstmals wieder dabei war.

Erst danach lebten die Gäste, für die Rost früh einen Foulelfmeter von Herthas Top-Torjäger Marko Pantelic (9.) parierte, noch einmal auf. Doch während Joris Mathijsen sechs Meter vor dem Hertha-Tor den eigenen Kollegen Boubacar Sanogo anschoss und damit ein 1000- prozentiges Tor (Laas) vergab, zielte Mineiro (90.+2) aus der fünffachen Entfernung besser. So blieb die Hertha im eigenen Stadion unbesiegt (8 Siege, 2 Unentschieden) und erkämpfte sich nach dem 0:5-Debakel bei Hannover 96 Rang fünf zurück.

Viel reden will der 53-jährige Stevens in den nächsten Tagen mit seinem Personal, das seit mehr als drei Monaten auf den zweiten erlösenden Saison-Dreier wartet. Wir müssen die Ruhe bewahren und weiter vernünftig an den Fehlern arbeiten, erklärte Beiersdorfer. Es klang nicht anders als vor wenigen Tagen mit Trainer Doll, aber Stevens hatte vor seinem ersten Spiel auch nur wenige Stunden Zeit.


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