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WM-Macher Schmidt in seiner schwierigsten Rolle | 2006-12-27


Hamburg - Neun Fußball-Weltmeisterschaften hat Horst R. Schmidt bisher mit organisiert. Seine zehnte Mission, die Vorbereitung auf die WM 2010 in Südafrika, wird vielleicht die schwierigste werden.

Nach seinen Rollen als Abteilungsleiter bei der ersten Heim-WM 1974, als Experte des Weltverbandes FIFA und als hoch gelobter Vorlagengeber und Vollstrecker im Organisationskomitee des Worldcups 2006, ist der Macher vor allem gefordert als Diplomat. Es ist ein spannender Rollentausch, sagt Horst R. Schmidt am Ende des ziemlich glorreich verlaufenen deutschen WM-Jahres 2006 und vor Beginn des südafrikanischen WM-Vorbereitungsjahres 2007, das er als ganz wichtiges Umsetzungsjahr bezeichnet.

Zumindest verbal hat er die neue Rolle als FIFA-Beauftragter der nächsten Weltmeisterschaft bereits angenommen. Bitte, bitte nicht über Alternativvorschläge nachdenken. Es lohnt sich nicht, sagt der 65 Jahre alte Aschaffenburger. Die WM 2010 wird zu einem Erfolg, sie wird zu einem afrikanischen Erfolg. Südafrika habe sich im Bereich Regierung und Organisationskomitee hervorragend aufgestellt, alle Kräfte sind aufgeboten, um erfolgreich zu sein.

Feuerwehrmann und Krisenmanager nennen ihn diejenigen, die die WM gefährdet sehen. Und selbst FIFA-Chef Joseph Blatter, der Pate dieser WM-Premiere auf dem afrikanischen Kontinent, zeigte jüngst Ungeduld: Sie haben Pläne, Geld und bereits Entscheidungen getroffen, aber ich habe dort noch niemanden mit Spitzhacke und Spaten gesehen. Nun soll es Horst R. Schmidt richten helfen, seit Oktober eine Art FIFA-Supervisor mit regelmäßigen Aufenthalten in Johannesburg. Der noch amtierende Vizepräsident des deutschen OK, bis zum November 2007 auch DFB-Generalsekretär, sagt zu seiner Rolle: Berater trifft es am ehesten. Nie werde er für die Operation verantwortlich sein, er bleibe lediglich in der Nähe der Projekte.

Wie delikat Schmidts sportpolitische Aufgabe ist, zeigt ein Entschuldigungsbrief von Franz Beckenbauer. Es tut mit leid, dass meine Aussagen falsch dargestellt worden sind. Ich werde alles mir Mögliche tun, um die WM 2010 zu unterstützen, schrieb der deutsche OK-Präsident vor gut zwei Monaten nach Johannesburg. Beckenbauers Kritik am schleppenden Vorbereitungstempo war in Südafrika als höchst unerwünschtes deutsches Oberlehrertum verstanden worden. Dort will man so wenig wie möglich die FIFA und schon gar nicht die Deutschen als Vormund haben.

Ich bin gut aufgenommen worden, ich werde mit großem Respekt behandelt, sagt Horst R. Schmidt nach seinen ersten Stippvisiten im Kap-Staat und verweist auf die nun beginnende Umsetzungsphase. Im Januar, Februar würden auf allen WM-Schauplätzen die Bagger stehen, die Regierung sei ein Garant für die Umsetzung. 15 Milliarden Rand (1,6 Milliarden Euro) hat die Regierung für die Fertigstellung der zehn WM-Stadien in den neun Städten und zur Stärkung der Infrastruktur bisher garantiert. Doch das wird wohl längst nicht das letzte Wort sein können.

Die Problematik wird besonders am Soccer-City-Stadion in Johannesburg deutlich. 210 Millionen Euro soll der Umbau zum größten Stadion Afrikas nun kosten und damit so viel, wie ursprünglich für alle zehn Arenen kalkuliert worden war. Noch bis vor zwei Monaten sollte Soccer-City seine Generalprobe beim Confederations-Cup im Juni 2009 feiern. Das ist wegen Verzögerungen abgesagt worden. Schmidt: Zeitvergleiche sind schwer möglich. Doch bei den Stadien waren wir Ende 2002, abgesehen vom Bau der Arena in München, weiter.

Die Stadien sind jedoch nur eine unter vielen Problematiken in einem Land, in dem es bisher so gut wie keine belastbaren Nahverkehrsmittel gibt und in dem jährlich 39 000 Morde und Mordversuche und 55 000 Vergewaltigungen registriert werden. Südafrika kalkuliert mit etwa 400 000 ausländischen WM-Besuchern. Sie allein können die Stadien längst nicht füllen. Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen, die einen Zwei-Drittel-Anteil an der Bevölkerung haben. In ihrer ganz großen Mehrheit sind sie nicht in der Lage, die in den Bewerbungsunterlagen vorgeschlagenen Eintrittspreise zwischen 16 und 853 Euro zu bezahlen.

Hier nun wird ein weiteres Spannungsfeld von Horst R. Schmidt deutlich. Er ist mit der FIFA und dem Südafrika-OK Diener zweier Herren. Dem Weltverband konnte er für die WM 2006, zusammen mit Franz Beckenbauer, die Organisation des gesamten Karten-Verkaufs abringen. 2010 ist sie, über einer Agentur, allein Sache der FIFA. Klar scheint, es muss für südafrikanische Fans subventionierte Eintrittspreise geben. Unklar ist, ob dann der Zuschuss von der FIFA übernommen wird oder von Südafrika selbst.


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