Prag - Karel Brückner hat den Kopf noch mal aus der Schlinge gezogen. Der in der Kritik stehende tschechische Fußball-Nationalcoach kann nach dem 1:0-Erfolg über Verfolger Irland im Endspiel um Platz 2 in der EM-Qualifikationsgruppe D ruhiger in die Zukunft schauen.
Denn nachdem er im Frühjahr selbst kurz an Rücktritt gedacht hatte, hätte eine Niederlage im wichtigen Irland-Spiel nach Angaben aus Verbandskreisen zur Folge gehabt, dass im nächsten Ausscheidungsspiel am 17. Oktober in Deutschland wohl ein anderer Trainer auf der Bank Platz genommen hätte. Doch nun ist im Land des Vize-Europameisters von 1996 die Fußball-Welt wieder in Ordnung.
Das war ein Riesenschritt Richtung EM, jubelte der Ex-Dortmunder Tomas Rosicky nach dem Dreier gegen Irland. Dank Marek Jankulovskis Goldenen Tores in der Goldenen Stadt gegen den starken Verfolger liegen die Tschechen (20 Punkte/9 Spiele) zwar weiter hinter dem souveränen Spitzenreiter Deutschland (22/8), aber klar vor Irland (14/9) auf dem wichtigen zweiten Rang. Und: Gewinnt die DFB-Elf am 13. Oktober in Irland, hätten Deutschland und die an diesem Tag spielfreien Tschechen die Tickets zur EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz sicher. Brückner: Nun haben wir es selbst in der Hand.
Auch die Presse war mit ihren Lieblingen wieder zufrieden. Die Zeitung Mlada fronta Dnes, die vor sechs Monaten noch Brückners Ablösung betrieben hatte (Die Mannschaft braucht offenbar eine härtere Hand, als der Trainer sie besitzt), fand lobende Worte: Nach zuletzt mageren Leistungen zeigte der tschechische Fußball gegen Irland sein sympathisches Gesicht. Insgesamt war der Sieg über die beherzten, aber glücklosen Iren verdient, obwohl Doyle (44.) den Pfosten traf und Rozehnal (71.) gegen McShane auf der Linie rettete.
Während Brückner durchatmen kann, war sein slowakischer Kollege Jan Kocian nach der derben 2:5-Heimschlappe gegen Wales fassungslos: So ein Ergebnis habe ich mir nicht einmal in den schlimmsten Träumen vorgestellt. Als ihn ein Reporter fragte, ob er nach dem Aus aller EM-Träume zurücktreten werde, antwortete der frühere Bundesliga-Profi mit einem knappen Nein. Die Medien forderten am Tag danach (noch) nicht ausdrücklich Kocians Abberufung, verzichteten aber nicht auf Seitenhiebe wie den Hinweis, dass unter Kocians Vorgänger Dusan Galis gegen Wales das Hinspiel in Cardiff 5:1 gewonnen wurde.
Schande! Slowakei bekam von Wales eine Fünf!, titelte Pravda (Wahrheit). Die auflagenstärkste Tageszeitung Novy Cas fasste das Geschehen in der EM-Gruppe trefflich zusammen: Es ist ausgekämpft. Und Bundesliga-Profi Marek Mintal (1. FC Nürnberg) bewahrten selbst zwei Tore nicht vor der pauschalen Abrechnung in der Tageszeitung Hospodarske Noviny: Der slowakische Fußball hat total versagt.
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