Düsseldorf - Selbstmitleid ist verboten, Improvisationstalent gefragt. Vor dem Bundesliga-Duell von Borussia Dortmund mit Werder Bremen gibt es auf beiden Seiten viele Probleme, aber nur wenige Klagen.
Von einer optimalen Vorbereitung auf die Partie kann wegen wachsender Personalsorgen und diversen Länderspiel-Abstellungen keine Rede sein. Dennoch setzen alle Beteiligten auf eine positive Reaktion der verbliebenen Fußball- Profis. Am Freitag ist derjenige im Vorteil, der sich am wenigsten in Ausreden flüchtet, sagte BVB-Trainer Thomas Doll.
Allein der Blick auf die Trainingsplätze offenbarte in den vergangenen Tagen das Dilemma: Werder-Coach Thomas Schaaf bestritt die Übungseinheiten ohne 13 abgestellte Nationalspieler, seinem Gegenüber Doll standen zumeist nur sieben Profis zur Verfügung. Zudem trübten schlechte Nachrichten aus den medizinischen Abteilungen die Stimmung. So zerschlugen sich die Hoffnungen der ohnehin vom Verletzungspech gebeutelten Bremer auf ein Comeback von Carlos Alberto. Drei Wochen nach einem Schwächeanfall beim Training macht dem Neuzugang diesmal eine Sehnenreizung im Oberschenkel zu schaffen.
Angesichts der langen Ausfallliste mit prominenten Namen wie Torsten Frings, Tim Borowski, Clemens Fritz, Ivan Klasnic, Aaron Hunt und Carlos Alberto setzten die Bremer alle Hebel in Bewegung, um Diego aus dem fernen Boston rechtzeitig für die Partie einzufliegen. Nur wenige Stunden nach dem Duell Brasilien - Mexiko am Mittwoch in den USA machte sich der Spielmacher auf den Weg in das Teamquartier nach Essen. Schaaf ist guter Dinge, dass der Star die Terminhatz gut verkraftet: Wir wissen, dass er mit solchen Situationen sehr professionell umgeht. Des Trainers schwacher Trost: In den Länderspielen gegen die USA und Mexiko kam Diego nur insgesamt fünf Minuten zum Einsatz.
Nicht nur bei Diego besteht akute Jetlag-Gefahr. Erst am Spieltag wird der Dortmunder Nelson Valdez nach seinem Länderspiel-Einsatz für Paraguay gegen Kolumbien zurückerwartet. Doch anders als Diego muss sich der BVB-Angreifer mit einem Platz auf der Bank begnügen. Für ihn soll der Kroate Mladen Petric stürmen. Schwerer wiegen für Doll die Ausfälle von Sebastian Kehl und Alexander Frei. Darüber hinaus bangt er um den Einsatz von Leonardo Dede und Philipp Degen.
Um mehr Zeit für die Vorbereitung und Regeneration der Profis zu gewinnen, hätten Schaaf und Doll die Partie gern auf Samstag verschoben. Schließlich ist der sportliche Wert beachtlich. Beide Trainer liebäugeln nach mäßigem Saisonstart und zuletzt zwei Siegen mit einem Sprung in höhere Tabellenregionen. Doll sprach von einem richtungweisenden Auftritt: Dieses Spiel ist ein echter Gradmesser.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Borussia Dortmund: Ziegler - Degen, Brzenska, Wörns, Dede - Tinga, - Blaszczykowski, Kringe - Federico - Klimowicz, Petric
Werder Bremen: Wiese - Pasanen, Mertesacker, Naldo, Tosic - Baumann - Jensen, Vranjes - Diego - Sanogo, Almeida
Schiedsrichter: Sippel (München)
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