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Beckenbauer will dem Fußball dienen | 2007-01-23


Frankfurt/Main - Franz Beckenbauer sorgt sich vor der mit Spannung erwarteten Wahl des UEFA-Präsidenten am 26. Januar in Düsseldorf um die Einheit im europäischen Fußball.

Angesichts des Machtkampfs zwischen Amtsinhaber Lennart Johansson und Herausforderer Michel Platini um den Chefposten im Kontinental-Verband hält der Kaiser sogar seinen praktisch feststehenden Einzug in die Exekutive des Weltverbandes FIFA nur noch für zweitrangig. Meine Person ist nicht so wichtig. Was mich beschäftigt, ist die Präsidentwahl, bedeutet sie eine Spaltung oder findet man zueinander, sagte Beckenbauer bei einem Pressegespräch in Frankfurt/Main.

Erneut begründete der Kaiser das deutsche Votum für Johansson. Europas Fußball ging es noch nie besser als unter Johansson. Er ist absolut integer. Er führt die UEFA auf elegante, großartige Art, sagte der 61-Jährige. Nachteile für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Falle eines Sieges von Platini fürchtet Beckenbauer aber nicht. Nein, das sehe ich nicht. Wir haben immer mit offenen Karten gespielt. Eine Grabenkampf zwischen Sieger- und Verlierer-Lager gilt aber nicht als ausgeschlossen. Zuletzt hatte DFB-Chef Theo Zwanziger vor einem solchen Szenario nach dem Kongress von Düsseldorf gewarnt.

Sein eigenes, neues Betätigungsfeld in der FIFA-Exekutive ist für Beckenbauer noch gar nicht klar umrissen. Das wird sich ergeben. Es hat noch Zeit bis Mai. Man wird sehen müssen, welche Aufgaben in der Exekutive noch nicht abgedeckt sind. Man führt Kommissionen, und da werden noch Plätze frei sein. Beckenbauer rückt mit dem Votum der UEFA-Delegierten für Gerhard Mayer-Vorfelder in die so genannte Fußball-Weltregierung auf.

Ich würde gerne etwas im sozialen Bereich machen. Afrika liegt mir am Herzen. Der Fußball hat eine unglaubliche Kraft. Mit dem Fußball kann man viel bewegen. Der Fußball bringt sogar Feinde an einen Tisch. Wir sind alle Diener des Fußballs, und wenn ich dazu etwas beitragen kann, würde ich dies gerne tun, sagte Beckenbauer, der noch immer von den Eindrücken seiner WM-Welcome-Tour rund um den Globus fasziniert ist.

In seinem neuen Amt als Spitzenfunktionär will sich Beckenbauer auch um die Durchsetzung der so genannten 6+5-Regel zum Schutz nationaler Talente in ihren heimischen Ligen kümmern. Dafür müsse man sich auf europäisches Politik-Terrain begeben. Das muss kommen, aber da braucht man die Unterstützung der Europäischen Union. Es gibt da ja schon Gespräche, sagte der Präsident des FC Bayern München. Ansonsten brauche der Fußball keine Veränderungen. Der Fußball hat keine Defizite. Der Fußball lebt und er lebt gut.

Beckenbauer kündigte an, auch beim DFB-Bundestag am 26. Oktober in Mainz wieder als Vizepräsident des nationalen Verbandes kandidieren zu wollen. Bisher gehört er dem Gremium noch als Vorsitzender des WM-OK an, das jedoch im Frühjahr aufgelöst wird. Ich muss da drin bleiben. Ich muss den DFB doch in der FIFA vertreten. Da muss ich wissen, was da passiert.

Ambitionen auf den FIFA-Chefsessel wies Beckenbauer jedoch erneut von sich. Für diesen Posten gäbe es keinen besseren als Amtsinhaber Joseph Blatter. Er selbst spreche dafür nicht genug Fremdsprachen. Ein kleines Hintertürchen hielt er sich aber dennoch offen: Ich weiß doch nicht, was in vier oder acht Jahren ist. Ich weiß ja nicht mal, ob ich da noch lebe.


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