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HSV verzweifelt - Rost will Gequatsche stoppen | 2007-01-28


Bielefeld - Wieder fehlten dem Hamburger SV nur Sekunden am Befreiungsschlag im verzweifelten Kampf gegen den erstmaligen Abstieg aus der Fußball-Bundesliga.

Und wie schon beim 3:3 in Aachen mit dem Last-Minute-Eigentor von Bastian Reinhardt ließen die HSV-Profis auch bei Arminia Bielefeld zwei Punkte liegen. Wir sind bitter bestraft worden. Es tut weh, wenn man sich so um den Lohn bringt, resümierte Cheftrainer Thomas Doll mit einem fast entsetzten Blick auf die Tabelle. Nach dem 1:1 (1:0) in Ostwestfalen verhinderte nur die Tordifferenz im Vergleich mit Mainz 05 den totalen Absturz des HSV.

Als alles für den kollektiven Jubelschrei der Hamburger Fans unter den 26 601 Zuschauern in der ausverkauften SchücoArena bereitet und der zweite Saisonsieg des HSV seit dem 2:1 von Leverkusen am 22. Oktober greifbar nahe war, schlug Bielefelds Bernd Korzynietz eine weite Flanke Richtung Hamburger Tor - und plötzlich lag der Ball nach Marcio Borges Kopfstoß im Netz (89. Minute). 40 Meter ist der Ball in der Luft, und wir sind nicht kompakt genug, den Treffer zu verhindern. Wir kommen einfach nicht da unten raus und bewegen uns auf der Stelle, schilderte ein äußerlich unaufgeregter Doll die Szene, die nach dem 1:0 durch Danijel Ljubojas fünften Saisontreffer (10.) zu zwei fehlenden HSV-Zählern führte.

Die bedrohliche HSV-Lage ist vor den Spielen gegen Cottbus und in Berlin noch dramatischer geworden. Klar, das 1:1 ist kein Fortschritt, aber wir sollten uns auch nicht einbuddeln, machte Doll sich und den Seinen Mut. Man werde viele positive Dinge mitnehmen, konstatierte der Trainer-Wackelkandidat. Tatsächlich wirkten die Aktionen der Hanseaten, zumindest in den ersten 45 Minuten, durchdachter als zuletzt, die Defensivarbeit war gut. Aber wir haben es versäumt, vielleicht auch das zweite Tor zu machen, heiß zu sein - Doll ging das Aufopfern seiner Mannschaft nicht weit genug.

Einer war besonders engagiert: Frank Rost. Nach seinem Wechsel von Schalke an die Waterkant will der Torhüter nichts davon hören, am Saisonende mit dem HSV zweitklassig zu sein. Wir müssen dieses ganze Gequatsche von der zweiten Liga, diesen ganzen Rotz raus kriegen, versuchte sich Rost in Brachial-Psychologie. Er will vorleben, wie man Spaß am Fußball hat und das Positive sucht. Mutig nach vorn. Ich beschäftige mich nicht mit Abstieg, lautet die Devise des 33-Jährigen, den Doll lobte: Er hat ein Klassespiel geliefert, Ruhe ausgestrahlt. Er wird als Typ und Torwart noch ein ganz wichtiger Faktor werden. Doch Doll weiß: Gegen Cottbus müssen wir den Bock umstoßen. Wir haben jetzt nur noch Schlüsselspiele.

In Bielefeld geht trotz des fünften Heimspiels hintereinander ohne Sieg alles seinen gewohnten Gang. Thomas von Heesen (Nein, ich habe nicht in Dortmund unterschrieben) bekam keine Schmährufe zu hören, obwohl er sich für eine neue Herausforderung entschieden hat. Zu einem Nachfolger wollte keiner etwas sagen. Wir präsentieren dann jemanden, wenn wir soweit sind, meinte Arminia-Clubchef Hans-Hermann Schwick. Gespräche habe es gegeben, man wolle das System des Konzeptfußballs beibehalten und mit einem jüngeren Trainer planen - das ist unser Anforderungsprofil. Mehr verriet er nicht.


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