München - Nach dem Rückrunden-Fehlstart und dramatisch gesunkenen Titelchancen hat der FC Bayern München überraschend schnell die Reißleine gezogen und sich von Trainer Felix Magath mit sofortiger Wirkung getrennt.
Die blamable Nullnummer gegen den VfL Bochum und der Sturz auf den vierten Tabellenplatz wurden zum persönlichen Schlusspunkt für den 53-Jährigen, dessen Nachfolger befristet bis zum Saisonende sein Vorgänger sein wird: Ottmar Hitzfeld. Der 58 Jahre alte Rückkehrer wird schon am Freitag beim Derby in Nürnberg erstmals wieder auf der Bayern-Bank sitzen und soll in erster Linie dafür sorgen, dass der Rekordmeister sich wenigstens wieder für die Champions League qualifiziert.
Ziel ist es, schnell die Kurve zu kriegen, zu gewinnen und hoffentlich guten Fußball zu spielen. Wir bedauern diesen Schritt, aber wir mussten der Entwicklung Rechnung tragen, sagte Rummenigge bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Er dankte Magath ausdrücklich für zweieinhalb Jahre sehr gute Arbeit mit großartigen Erfolgen, allen voran den zweifachen Double-Gewinn.
Doch zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege in seinen ersten beiden Amtsjahren konnten Magath nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Borussia Dortmund (2:3) und den VfL Bochum (0:0) auch nicht vor seiner Ablösung bewahren. Denn bei den Verantwortlichen läuten die Alarmglocken. Rummenigge: Wir brauchen den Erfolg und die Teilnahme an der Champions League aus Image- und finanziellen Gründen. Wir hoffen, dass uns das mit Hitzfeld gelingt.
Hitzfeld sieht in seiner alten/neuen Funktion als Bayern-Coach eine Herausforderung. Das sagte er dem Pay-TV-Sender Premiere in einem kurzen Statement: Die Champions League - das ist natürlich ein Highlight, jetzt mit den Spielen gegen Real Madrid. Da braucht man als Trainer nicht lange zu überlegen, um zuzusagen.
Magaths Vertrag war erst vor Saisonbeginn um ein Jahr bis 2008 verlängert worden. Natürlich ist dies keine schöne Situation, wurde der Trainer in einer Presseerklärung des FC Bayern zitiert. Er sei stolz auf zweieinhalb schöne und erfolgreiche Jahre. Aber es war mir immer klar, dass dies ein Engagement auf Zeit ist.
In der Champions League hat Magath die Münchner immerhin als Gruppensieger ins Achtelfinale gegen Real Madrid geführt. Doch die Trennung war nicht mehr aufzuhalten, nachdem die Bayern-Bosse nach dem 0:0 gegen den VfL Bochum in ein bedrohliches Schweigen verfallen waren. Rummenigge und Manager Uli Hoeneß flüchteten - die Pfiffe der Fans in Ohren - wortlos und geschockt aus der Allianz Arena, während Magath nach dem gespenstischen Auftritt seine sportliche Kapitulation verkündete: Über den Titel brauchen wir überhaupt nicht mehr zu reden, erklärte der 53-Jährige und rief stattdessen die Rettung der Champions-League-Qualifikation zum neuen Saisonziel aus: Wir müssen uns darum kümmern, dass wir um die Plätze zwei und drei dabei sind.
Das ist nun bis zum Saisonende Hitzfelds Aufgabe. Der 58-Jährige wurde angeblich in Sekundenschnelle verpflichtet. Ottmar war nicht länger eingeweiht. Er hat spontan zugesagt, berichtete Rummenigge - und zwar als Feuerwehrmann bis zum Saisonende. Wer in der kommenden Saison Trainer des Rekordmeisters sein wird, darüber sei noch keine Entscheidung gefallen, versicherte Rummenigge.
Hitzfeld hat seit seiner vorzeitigen Trennung von den Bayern im Sommer 2004 als Trainer pausiert und war als Fußball-Experte für den TV-Sender Premiere tätig. Eine Rückkehr zu Borussia Dortmund hatte er erst im Winter nach der Entlassung von Bert van Marwijk beim BVB ebenso abgelehnt wie zuvor Angebote europäischer Top-Clubs. Hitzfeld wird mit seinem Assistenten Michael Henke schon am Donnerstag das Abschlusstraining für das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg leiten und im Derby seine zweite Bayern-Mission beginnen. 2001 führte er den Rekordmeister zum Champions-League-Triumph.
Am Morgen nach dem Unentschieden, das einer Niederlage gleich kam, herrschte zunächst eine trügerische Ruhe auf dem Club-Gelände. Wir spielen nicht für den Trainer, sondern für den FC Bayern, sagte Mittelfeldstar Mark van Bommel nach dem noch von Magath geleiteten Training - da war der Daumen in der Chefetage schon gegen den Coach gesenkt worden. Kapitän Oliver Kahn hatte sich am Vorabend noch für Magath stark gemacht. Man muss nicht immer gleich den Trainer in Frage stellen oder irgendwelche populistischen Aussagen machen. Der ewige Kämpfer mag auch im Titelkampf noch nicht das Handtuch werfen: Der FC Bayern kann auch sieben oder acht Spiele in Folge gewinnen. Aber auch Kahn verschließt die Augen vor der momentanen Realität nicht: Der FC Bayern besitzt auch keine Dauerkarte auf Platz eins.
Gegen Bochum sah man ein verunsichertes Team, das sich nach einigen vergebenen Torchancen lethargisch in sein Schicksal ergab. Das fehlende Spielkonzept wurde Magath schon seit längerem intern vorgeworfen. Van Bommel hätte den Coach vielleicht gerettet, wäre er nicht freistehend am guten Keeper Jaroslav Drobny gescheitert (34.). Kahn sieht aber weiterhin genug Potenzial für den FC Bayern: Eine Mannschaft, die als Gruppen-Erster gegen Real Madrid im Achtelfinale der Champions League steht, kann viel mehr. Magath konnte es nicht mehr ausschöpfen, das soll jetzt wieder Hitzfeld tun.
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