Salzgitter - Vor zwei Jahren, als Schiedsrichter Hoyzer die Manipulation von Spielen gestand, saß Volker Roth als Vorsitzender des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses wie ein Häufchen Elend vor der Presse und musste über einen der größten Skandale im deutschen Fußball Auskunft geben.
Roth hat den Hoyzer-Schock inzwischen überwunden. Der Verkauf der ideellen Werte ging dem früheren FIFA-Referee sichtlich nahe. Doch die Befürchtungen von Roth, dass durch den Wettskandal das Vertrauen in die Unparteiischen über Jahre gestört sein werde, haben sich nicht bewahrheitet.
Das Ansehen hat durch diesen Einzelfall nicht gelitten. Wir haben die Kontrollmechanismen verändert und konnten im Vorjahr sogar rund 2000 neue Schiedsrichter mehr gewinnen als verlieren, berichtete Roth einen Tag vor seinem 65. Geburtstag am 1. Februar. Diese sehr positive Entwicklung hat den Unternehmer aus Salzgitter auch dazu bewogen, eine Amtszeit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) dran zu hängen. Ich habe mich entschieden, auf dem DFB-Bundestag in diesem Jahr in Mainz noch einmal zu kandidieren. In den kommenden drei Jahren will ich dann einen Nachfolger aufbauen, sagte Roth.
Bereits seit 47 Jahren hängt er an der Pfeife. 1958 legte er seine Schiedsrichter-Prüfung ab. Am 6. Mai 1972 leitete Roth mit der Partie VfB Stuttgart - 1. FC Köln das erste von 129 Bundesligaspielen. Als internationaler Schiedsrichter kam er unter anderem bei der EM 1984 in Frankreich und bei der WM 1986 in Mexiko zum Einsatz. Ich wundere mich selbst, warum ich das alles mache. Die Schiedsrichterei ist mir einfach ans Herz gewachsen, begründete der Jubilar seine Vorliebe für die Männer mit Pfiff.
Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn mit dem Bundesliga-Klassiker Werder Bremen - Bayern München am 22. April 1986 und dem verschossenen Elfmeter von Michael Kutzop blieb Roth als Schiedsrichterausbilder und seit 1995 als Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses dem DFB erhalten. Er gilt als Gegner des Fernseh- und Videobeweises, setzt sich stets mit Vehemenz für seine kritisierten Kollegen in den Stadien ein und verschaffte sich mit seiner geradlinigen Art auch internationales Ansehen. Seit dem Jahr 2000 ist er ebenfalls als Schiedsrichter-Chef für die Europäische Fußball-Union (UEFA) tätig.
Deshalb ist zunächst keine größere Geburtstagsfeier in Salzgitter geplant. Am Samstag beginnt der nächste UEFA-Lehrgang in Rom. Wir haben gute internationale Schiedsrichter. Mein Ziel ist es, dass bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr in Österreich und der Schweiz die Unparteiischen ähnlich überzeugende Leistungen wie bei der EM 2004 in Portugal abliefern, umriss der gebürtige Chemnitzer seine Zukunftsziele.
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