Hannover - Dieter Hoeneß sprach frei nach Berliner Schnauze. Wir haben einen auf die Klappe gekriegt, kommentierte der Hertha-Manager ungeschminkt die 0:5-Pleite bei Hannover 96.
Die höchste Bundesliga-Niederlage der Berliner seit dem 0:6 in Bremen am 5. April 1991 hatte auch Falko Götz die Freude am Jubiläum verhagelt. Das 100. Spiel auf der Trainerbank hatte ich mir anders vorgestellt. Wir haben so viele Fehler gemacht. Es würde den Zeitrahmen sprengen, sie alle zu analysieren, sagte der Berliner Trainer. Das war aber nicht unser wahres Gesicht, fügte er hinzu.
Auf der Tribüne verfolgte der Brasilianer Mineiro (31) bei typisch norddeutschem Schmuddelwetter, wie sich seine neuen Teamkollegen fast ohne Gegenwehr ergaben. Der wenige Stunden zuvor verpflichtete WM-Teilnehmer ist der neue Hoffnungsträger der Berliner, die wegen ihrer eklatanten Auswärtsschwäche um einen Platz im internationalen Fußball-Geschäft bangen müssen. Der 31 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler kann auf vielen Positionen spielen. Bereits am Samstag, wenn der Hamburger SV zu seinem ersten Spiel nach dem Ende der Doll-Ära im Olympiastadion antritt, könnte er der löchrigen Hertha-Abwehr mehr Halt geben.
Das war eine komplette Null-Leistung, stellte Malik Fathi nach dem Debakel fest. Wir sind mit Hannovers System nicht zurecht gekommen, meinte Verteidiger Arne Friedrich. Das hat mit System nichts zu tun, entgegnete Hoeneß. Das ist so, wenn man glaubt, nur Fußball spielen zu können. Es fehlte die Leidenschaft, kritisierte er die Einstellung seiner Profis. Nach drei Standardsituation, die Hannovers Innenverteidiger Vinicius (16./37.) und Frank Fahrenhorst (45.) konsequent nutzten, lag Hertha schon zur Pause 0:3 zurück. Nach dem Seitenwechsel sorgten Jan Rosenthal (64.) und 96-Kapitän Altin Lala (76.) mit seinem ersten Bundesligator für den Endstand.
Ich hoffe, dass das keine Eintagsfliege war. Die Mannschaft hat mich erstmals voll überzeugt, kommentierte 96-Trainer Dieter Hecking einen der höchsten Bundesliga-Erfolge der Niedersachsen. Nur vor mehr als 41 Jahren, beim 6:0 gegen Borussia Neunkirchen am 18. September 1965, fiel der Sieg noch höher aus. Hecking hatte die drei Stammspieler Dariusz Zuraw, Jiri Stajner und Arnold Bruggink auf die Bank gesetzt und den Konkurrenzkampf im Team neu entfacht. Einige haben sich zu sicher gefühlt. Wir wollten Reizpunkte setzen. Das hat geklappt, freute sich Hecking.
Er kann nun sehr viel entspannter der Partie bei seinem Ex-Club Alemannia Aachen entgegensehen. Wie emotional das wird, kann ich nicht sagen, erklärte Hecking. Im Mittelpunkt der Jubelarien von 30 584 Zuschauern stand Altin Lala. Auch Clubchef Martin Kind gratulierte noch im Kabinengang dem Albaner, dem im 113. Anlauf der ersehnte erste Treffer gelang. Da freut man sich einfach nur. Das hat richtig Spaß gemacht, sagte der unermüdliche Mittelfeldrenner. Das Erfolgserlebnis machte Appetit auf mehr: Unser Sportmanager Carsten Linke hat nur ein Bundesliga-Tor geschossen. Den kann ich noch überholen.
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