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Baustelle FC Bayern: Führung unter Druck | 2007-02-02


München - Mit dem Blitz-Wechsel Ottmar Hitzfeld für Felix Magath gelang dem FC Bayern München kurzfristig eine Kurs-Korrektur, doch beim großen Umbruch im Sommer müssen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß weitaus mehr Kreativität zeigen.

Die beiden in der Trainerfrage so entschlussfreudigen Macher des deutschen Fußball-Rekordmeisters können Magath nicht allein die Schuld dafür geben, dass die Mannschaft nicht mehr den eigenen Ansprüchen genügt.

Auf die Frage, ob der aktuelle Spielerkader noch die Qualität besitze wie zu seiner ersten Amtszeit, in der Hitzfeld die Bayern 2001 bis auf den Champions-League-Thron führte, antwortete der 58-Jährige vor seinem Bundesliga-Comeback im bayerischen Derby beim 1. FC Nürnberg diplomatisch: Das Material, das man hat, muss man optimal ausnützen.

Mit einer visionslosen Einkaufspolitik, bei der Rummenigge und Hoeneß bis auf den 20-Millionen-Euro-Treffer bei Roy Makaay das international übliche Risiko stets scheuten, hat die Qualität Jahr für Jahr nachgelassen. Die Bayern bedienen sich fast nur bei der Bundesliga-Konkurrenz, auch um diese zu schwächen. Aber Top-Leute wie Miroslav Klose oder Per Mertesacker gingen nach Bremen und nicht nach München. Dort kommt wiederum ein Ausnahmetalent wie Lukas Podolski nicht in Fahrt.

Trotz einer weltweit operierenden Scouting-Abteilung landen die Bayern keine Treffer wie Bremen mit Diego oder Schalke mit Rafinha, sondern verzeichnen Stillstand mit einem ewigen Talent wie Roque Santa Cruz, dem Argentinier Martin Demichelis oder Ali Karimi, der eigentlich schon im Winter gehen sollte. Der verletzte Paraguayer Julio dos Santos, von Hoeneß vor einem Jahr als Bombe angekündigt, wurde in diesem Winter an den VfL Wolfsburg ausgeliehen.

Als Irrglaube stellte sich neben der ewigen Hoffnung auf Sebastian Deisler die feste Meinung heraus, Michael Ballack aus den eigenen Reihen ersetzen zu können. Jetzt, nach dem Krisenstart in die Rückrunde, gab Franz Beckenbauer in der Bild-Zeitung zu: Der Abgang von Ballack hat eine größere Lücke hinterlassen als gedacht. Uns fehlt auf dem Platz ein Mann, der das Kommando übernimmt.

Magath hätte hier die Vorstands-Politik nicht mittragen dürfen, sondern Ersatz fordern müssen, ebenso wie für den Brasilianer Zé Roberto. So scheiterten alle Versuche mit Santa Cruz und Karimi, einem Wechsel zu drei Stürmern und Magaths letztem Einfall mit Bastian Schweinsteiger als Regisseur. Der 36-jährige Mehmet Scholl ist schon länger keine ernsthafte Alternative mehr.

Der Transfer von Mark van Bommel, der im Sommer auf den letzten Drücker vom FC Barcelona kam, konnte das Versäumnis nur kaschieren. Der Niederländer hat andere Qualitäten als Ballack, sein Kauf war trotzdem notwendig.

Hoeneß und Rummenigge sind nun gefordert: Sie müssen nicht nur einen neuen Nachfolger für Hitzfeld suchen, der nur bis zum Sommer einspringen will, sondern auch ein neues Team zusammenstellen. Scholl hört auf, Karimi muss gehen, Salihamidzic wechselt zu Juventus Turin - und der Vertrag von Claudio Pizarro läuft aus.

Geld genug für Star-Einkäufe ist da, aber sind Kandidaten wie Franck Ribéry oder Arjen Robben wirklich zu bekommen? Bei Spielern, die uns wirklich verstärken könnten, hat man es als Gegner mit Chelsea, Real Madrid, Barcelona oder AC Mailand zu tun, und das ist nicht ganz so einfach, warnte Hoeneß schon in der Winterpause.


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