München - Im Streit um den Ausrüstervertrag für die Fußball- Nationalmannschaft zwischen den Sportartikelherstellern adidas und Nike droht DFB-Manager Oliver Bierhoff mit seinem Rücktritt.
Er sehe sich in der Affäre als Prügelknabe missbraucht, sagte Bierhoff in einem Interview der Süddeutschen Zeitung: Ich habe das beim DFB auch schon angesprochen, und wenn es so sein sollte, dass ich das Problem bin, dann habe ich damit auch kein Problem. Dann lasse ich den Job sein, dann gehe ich halt.
Bierhoff, der vor seinem DFB-Engagement jahrelang Nike-Repräsentant war, bemängelt insbesondere, dass ihn der DFB selbst aus den Ausrüsterverhandlungen heraushalte, obwohl die auch in seine Zuständigkeit fielen. Bierhoff räumt ein, die 500-Millionen-Euro-Offerte Nikes an den Verband im November 2006 persönlich beim DFB abgegeben zu haben. Dabei habe er selbst keine Details, aber die Eckpunkte des Angebots gekannt.
Mich erbost die Dreistigkeit all der Unterstellungen. Eigentlich ist es doch ein Kompliment, wenn man mir zutraut, das ich einem großen Konzern eine halbe Milliarde aus dem Kreuz leiere, sagte Bierhoff. Wäre das so, dann müsste mir der DFB eine Statue vors Haus stellen, dann hätte ich dem Verband ja eine Unmenge Geld eingebracht.
Aus seiner Sicht sei noch kein rechtsverbindlicher Vertrag zwischen dem DFB und adidas ab 2011 zu Stande gekommen, sagte Bierhoff. Vielmehr sei Ausgangspunkt der Verhandlungen im Sommer 2006 der Schuhstreit in der Nationalmannschaft gewesen. Damals habe adidas auf den Deal Schuhfreigabe gegen Vertragsverlängerung spekuliert. Er sei auch in diese Verhandlungen nicht eingebunden worden.
Die Anschuldigungen von Bayern Münchens Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge, der ihm unseriöses Verhalten vorgeworfen und ihn als Ich-AG am Starnberger See bezeichnet hatte, weist Bierhoff als lächerlich zurück. Vielmehr sei Rummenigges Drohung, keine Bayern-Spieler mehr fürs Nationalteam abzustellen, respektlos gegenüber anderen Vereinen, die gleichfalls andere Ausrüster hätten, jedoch keine solche Drohungen ausstießen.
Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller adidas beharrt unterdessen darauf, dass die Vereinbarungen bis 2014 gültig sind. Wir gehen auch nach dem Gutachten des DFB davon aus, dass der Vertrag bereits verlängert wurde, sagte Unternehmenssprecher Jan Runau der dpa. adidas werde zu dem von dem Mainzer Rechtsprofessor Mathias Habersack erstellten Gutachten innerhalb der nächsten zwei Wochen Stellung nehmen.
Habersack war zu dem Schluss gekommen, dass der DFB nicht über 2011 hinaus an adidas gebunden ist. Der Verband könnte dann die 600-Millionen-Euro-Offerte des US-Konkurrenten Nike annehmen. Nike bietet 50 Millionen Euro pro Jahr, adidas zahlt derzeit nur 10 bis 11 Millionen Euro. Ein Vereinbarung mit adidas für die Jahre 2011 bis 2014 war nicht schriftlich besiegelt worden.
Eine Erhöhung des adidas-Angebots stehe derzeit nicht zur Debatte, unterstrich Runau. Vorstandschef Herbert Hainer hatte der Financial Times Deutschland gesagt, eine Aufstockung könnte ein Diskussionsthema werden. Zuvor werde adidas aber rechtliche Fragen der Laufzeit des derzeit geltenden Vertrages prüfen. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir mit dem DFB einen Vertrag bis 2014 haben, bekräftigte Hainer.
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