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Hitzfeld entsetzt: Heftige Kritik nach Demütigung | 2007-02-03


Nürnberg - Ottmar Hitzfeld war entsetzt. Kopfschüttelnd musste der Jahrhundert-Trainer des FC Bayern München bei seinem Bundesliga-Comeback die 0:3-Demütigung im bayerischen Derby gegen den 1. FC Nürnberg erdulden.

Dass es schwer wird, wusste ich. Dass es so schwer wird, ist überraschend. Jetzt weiß ich, dass noch viel Arbeit auf mich zukommt, kommentierte der 58-Jährige. Statt einer mit Punkten untermauerten neuen Kampfansage an die Titel-Aspiranten Werder Bremen und Schalke 04 richten zu können, ist beim deutschen Fußball-Meister nur noch Schadensbegrenzung angesagt.

Das primäre Ziel ist ein Champions-League-Platz. Der dritte Platz ist wichtig für das wirtschaftliche Potenzial, betonte Hitzfeld. Im ersten Spiel nach seiner Rückkehr präsentierte sich die Mannschaft so schlecht wie unter seinem geschassten Vorgänger Felix Magath. Wir sind am Ende untergegangen, bemerkte Hitzfeld fassungslos.

Es muss einem nicht angst und bange werden, urteilte Franz Beckenbauer beim TV-Sender Premiere erstaunlich zurückhaltend: So schlecht waren sie auch wieder nicht. Doch nach dem schlechtesten Rückrunden-Start seit 1975 droht ein ähnliches Debakel wie vor 32 Jahren, als das damalige Bayern-Ensemble mit Beckenbauer, Müller und Hoeneß im Jahr nach dem WM-Triumph im eigenen Land auf Platz 10 abstürzte. Damals rettete Dettmar Cramer als Nachfolger des ebenfalls im Januar gefeuerten Udo Lattek mit dem Europapokalsieg die Saison - ein derartiges Happy End in der Champions League mag man anno 2007 aber selbst Hitzfeld nicht zutrauen. Wir haben im Moment zu viele Baustellen, klagte der Champions-League-Gewinner von 2001.

Jeder großen Mannschaft passiert es immer mal wieder, dass sie nicht so geschlossen gespielt wie die letzten Jahrzehnte, meinte FCN-Coach Hans Meyer. Der stärkste 1. FC Nürnberg seit 20 Jahren deckte zur Freude der begeisterten Club-Fans unter den 47 000 Zuschauern im ausverkauften Nürnberger WM-Stadion die Mängel des FC Bayern 2007 nicht nur bei den blitzsauberen Toren des Sturm-Trios Iwan Saenko (13.), Markus Schroth (71.) und Robert Vittek (86.) auf.

Nach den 90 alarmierenden Minuten verfiel der Trainer Hitzfeld fast wieder in die zuletzt ausgeübte Rolle als TV-Experte, denn seine Analyse war schonungslos. Mannschaft, Magath, Vereinsführung - niemand wurde bei seinem Rundumschlag verschont. Ich habe große Fehler in der Abstimmung gesehen, auch Undiszipliniertheiten, rügte der Coach. Insbesondere die Abwehrreihe mit Sagnol, Lucio, van Buyten und Lahm präsentierte sich wie schon beim 2:3 in Dortmund erneut als Chaos-Gruppe. Lucio warf Hitzfeld öffentlich dessen unkluge Vorstöße vor. Er müsste hinten ein Leader sein, aber dafür muss er ein Stabilisator im Abwehrbereich sein, rügte er den Brasilianer.

Im Mittelfeld hatte er von der Raute auf eine Viererreihe mit Rückkehrer Owen Hargreaves und Mark van Bommel als Doppel-Sechser umgestellt, weil dem Kader ein Spielmacher fehlt. Wir haben keinen Diego in unserer Mannschaft, sagte Hitzfeld mit neidvollem Blick auf Werder Bremen und äußerte damit unverhohlen Kritik an den für Spieler-Einkäufe zuständigen Vorständlern Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Wir müssen mit anderen Mitteln spielen.

Dass Akteure wie Bastian Schweinsteiger zudem körperlich nicht in der optimalen Verfassung sind, nannte Hitzfeld verwunderlich. Galt Magath nicht als Fitness-Fanatiker? Nun soll der Hebel im nächsten Heimspiel gegen Arminia Bielefeld umgelegt werden. Einige der Stars glauben immer noch, dass die Wende auf Knopfdruck erfolgen müsste. Wir haben eine Truppe, die eine Siegesserie hinlegen kann, meinte van Bommel: Wir zeigen guten Willen, aber man braucht auch Glück.

Beim 1. FC Nürnberg hat der Erfolg System. Nur zwei Niederlagen und 17 Gegentore sind ligaspitze. Meyer hat ein Team geschaffen, das als Einheit vom starken Torhüter Raphael Schäfer über den Strategen Tomas Galasek bis hin zu den Außenstürmern Vittek und Saenko prächtig harmoniert. Für unsere Fans, die seit Jahrzehnten gedarbt haben, ist dieses 3:0 eine schöne Sache, sagte der Trainer stolz. Den UEFA-Cup als neues Saisonziel auszurufen, kam für Meyer nicht in Frage: 30 Punkte nach 20 Spielen hat es beim ,Club lange nicht gegeben. Nach menschlichem Ermessen haben wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun.


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