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Trauerfeier in Catania - Streit vor Krisengipfel | 2007-02-05


Catania - Bei einer bewegenden Trauerfeier in Catania haben zehntausende Menschen dem beim sizilianischen Fußball-Derby getöteten Polizisten Filippo Raciti die letzte Ehre erwiesen und ein Ende der Krawalle im italienischen Fußball gefordert.

Catania sagt Nein zur Gewalt, stand auf einem Spruchband der Tifosi. Ich hoffe, sein Tod verändert etwas, sagte die Witwe Marisa Raciti. Unmittelbar nach der Beerdigung eskalierte der Streit zwischen Regierung und Clubs über die Wiederaufnahme der ausgesetzten Spiele.

Die Toten sind leider Teil dieser Hooligan-Bewegung, die die Sicherheitskräfte bislang nicht kontrolliert bekommen, sagte Liga-Präsident Antonio Matarrese. Wir sind tief betroffen, aber die Show muss weitergehen, forderte er im Namen der Clubs.

Am Wochenende muss wieder gespielt werden, sagte auch Milan-Kapitän Paolo Maldini. Die Regierung stellt die Einhaltung der von ihr bislang selbst eher locker gehandhabten Sicherheitsgesetze zur Bedingung. Die Auflagen der so genannten Pisanu-Gesetze erfüllen aber nur sechs Serie-A-Stadien. Auch Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte in seiner Beileidsbotschaft in Catania strenge Maßnahmen.

Nachdem Innenminister Giuliano Amato und Sportministerin Giovanna Melandri der Witwe und ihren beiden Kindern gemeinsam mit den Sportverbandspräsidenten in Catania ihr Beileid ausgesprochen hatten, flogen sie zum Gipfeltreffen mit dem Fußballverband (FIGC) und dem Nationalen Olympischen Komitee (CONI) nach Rom. Dort stehen ein Reiseverbot für Fans zu Auswärtsspielen sowie Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Debatte.

An dem Gespräch im Amtssitz von Italiens Ministerpräsident Romano Prodi geht es im Kern darum, wie die Sicherheit in und um die Fußballstadien gewahrt werden kann und ob der italienische Fußball auch am kommenden Spieltag eine Zwangspause einlegen muss.

Der Ton zwischen Politik, Verbänden und Clubs wird im fieberhaften Ringen um einen Ausweg aus einer der dramatischsten Krisen des italienischen Fußballs immer schärfer. Amato und Melandri sind inkompetent, wetterte der Präsident des FC Palermo Maurizio Zamparini. Nach dem Liga-Manipulationsskandal im vergangenen Sommer droht der Skandal und der eskalierende Streit Italiens Image kurz vor dem erhofften Zuschlag für die Ausrichtung der Europameisterschaften 2012 im April endgültig zu ruinieren.

Seit den Krawallen beim Spiel zwischen Catania Calcio und dem FC Palermo (1:2) steht das Land unter Schock: Der Ball ruht, bei der landesweiten Fernsehübertragung der Trauerfeier stand das öffentliche Leben für einen Moment an vielen Orten still. Als der mit der italienischen Nationalflagge und einer Rose geschmückte Sarg mit dem 38-jährigen Toten in den Dom von Catania getragen wurde, brandete lauter Applaus auf. Die Witwe beugte sich am Altar weinend über den Sarg, der kleine Sohn salutierte wie die zahlreichen Polizistenkollegen seines Vaters. Papst Benedikt XVI. hatte ein Beileidstelegramm geschickt und verurteilte jede Form von Gewalt, die das Fußballspiel beschmutzt.

Unterdessen fahndete die Polizei weiter nach den Tätern, durchsuchte 20 Fan-Clubs und Wohnungen, beschlagnahmte Sprengkörper, Waffen und Drogen und nahm 30 Personen fest. Catanias Club-Präsident Antonio Pulvirenti nahm seinen angekündigten Rücktritt zurück und erklärte den Randalierern den Kampf: Ich kann den Verbrechern nicht den Sieg überlassen.


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