Düsseldorf - Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat seine Rücktrittsgedanken schnell wieder ad acta gelegt und erhöht im Ausrüster-Poker gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) weiter den Druck auf den langjährigen Partner adidas.
Ausgerechnet der wegen seiner Nähe zu seinem früheren persönlichen Sponsor Nike zuletzt in die Kritik geratene Bierhoff präsentierte in Düsseldorf die Ergebnisse einer vom DFB in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage. Demnach sind 72 Prozent der Deutschen für einen Sponsoren-Wechsel zum US-Konzern, sofern der Verband die Mehreinnahmen in die Nachwuchsförderung steckt.
Der DFB kommt in die Situation, seinen Marktwert zu steigern. Wir wollten wissen, wie die Einstellung in den 27 000 Vereinen ist, begründete Bierhoff die bislang einmalige Aktion zu Ungunsten des eigenen Premium-Partners.
Nur eine Woche nach dem Rechtsgutachten der Universität Mainz präsentiert der DFB damit erneut öffentlich eine Legitimation für einen Wechsel des Nationalmannschafts-Ausrüsters. Dies ist ein eindeutiges Votum für uns, dass die Bevölkerung einen Wechsel zu Nike für sinnvoll hält, wenn das Geld vor allem in Projekte zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen fließt. Genau das wollen wir, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger zu dem Umfrageergebnis. Bierhoff und Zwanziger versicherten, dass das Geld zum Bau von Bolzplätzen für Schulen und Vereinen verwendet werden würde. Ich bin 100 Prozent überzeugt, dass es nicht in ein schönes Gebäude oder die Verwaltung fließt, versprach Bierhoff.
Bei adidas reagierte man schnell. Wie mit dem DFB vereinbart, werden wir das Rechtsgutachten des DFB eingehend überprüfen und basierend darauf unsere Gespräche mit dem DFB fortsetzen. Zum Thema der Umfrage: Wir möchten diese nicht näher kommentieren, überlassen es aber jedem selbst, sich auf Grund der Fragestellung und der daraus resultierenden, veröffentlichten Ergebnisse ein eigenes Urteil zu bilden, sagte adidas-Sprecher Oliver Brüggen.
Offensichtlich ist es Strategie des DFB, adidas zu einem höheren Angebot zu drängen. Bei gleicher Offerte würde sich der Vertrag mit adidas verlängern, betonte Zwanziger. Tatsächlich war in der Umfrage nicht explizit gefragt worden, ob die in den Nachwuchs investierte Summe zwingend von Nike stammen müsse. Grundsätzlich sprachen sich nur 19 Prozent für einen Wechsel zum US-Unternehmen aus.
Nike hat dem DFB ein Angebot über insgesamt 600 Millionen Euro für acht Jahre ab 2011 gemacht und adidas damit um das sechsfache überboten. Der bisherige Sponsor pocht aber auf einen angeblich bestehenden Vertrag mit dem DFB bis ins Jahr 2014. Zur Klärung muss eventuell ein Schiedsgericht angerufen werden. Laut Bierhoff wird der eigentliche Marktwert der Nationalmannschaft erst durch das neue, von ihm dem DFB überbrachte Angebot widergespiegelt. Er verwies auf 1,4 Millionen von adidas verkaufte DFB-Trikots allein bei der WM. Laut der Umfrage wissen 63 Prozent der Deutschen, dass adidas den DFB ausrüstet.
Nach der deutlichen Rückendeckung durch Zwanziger wich Bierhoff wieder von seinen zuletzt geäußerten Rücktrittsgedanken ab. Ich habe einen Vertrag mit dem DFB bis 2010 und gedenke ihn zu erfüllen, sagte der Teammanager, allerdings wolle er nicht weiter der Bösewicht sein. Einen von Zwanziger geäußerten Gesprächsbedarf mit seinem größten Kritiker, Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, sieht der 38-Jährige nicht. Rummenigges persönliche Angriffe in seine Richtung (Ich-AG vom Starnberger See) bezeichnete Bierhoff als Frechheit. Zudem habe er schon mit dem Bayern-Boss gesprochen. Wir haben eine halbe Stunde miteinander telefoniert, berichtete Bierhoff. Bei dem emotionalen Gespräch sei aber keiner von seinen Standpunkten abgerückt.
Bierhoff bekam auch Lob aus den Reihen der Nationalmannschaft. Ich glaube, dass Oliver Bierhoff fantastische Arbeit leistet, sagte der Dortmunder Christoph Metzelder. Der von Nike gesponserte Verteidiger, der maßgeblich für die freie Schuhwahl der DFB-Spieler mitgekämpft hatte, hob besonders die Leistungen des ehemaligen Nationalstürmers rund um die WM hervor. Da war alles perfekt organisiert. Laut Metzelder muss die Ausrüster-Diskussion künftig sachlich geführt werden.
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