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Italienische Clubs wollen nur mit Publikum spielen | 2007-02-06


Rom - Die italienischen Fußballclubs wollen sofort wieder spielen, aber nicht ohne Publikum. Dies erklärte der Präsident des FC Palermo, Maurizio Zamparini, nach der Liga-Sitzung in Rom.

Damit geht die Liga auf Konfrontationskurs mit der Regierung. Diese hatte beschlossen, keine Spiele mehr vor Publikum in Stadien zuzulassen, die nicht den Sicherheitsvorschriften genügen. Für die Familien des getöteten Polizisten und des vor einer Woche bei einer Prügelei in einem Stadion umgekommenen Fußball-Manager spendeten die Erst- und Zweitligisten insgesamt 420 000 Euro.

Die Regierung zwingt mit den Auflagen mehr als Zweidrittel der Serie A-Clubs zu Geisterspielen. Sicherheit geht vor Fußball. So rechtfertigt Innenminister Giuliano Amato die schärfsten Sicherheitsvorschriften in der Geschichte des italienischen Fußballs. Fußball ohne Fans ist schlimmer als gar keiner, klagt Milan-Kapitän Paolo Maldini. Das italienische Kabinett ist zu einer Sondersitzung einberufen.

Die auf dem Gipfeltreffen mit dem Fußballverband (FIGC) und dem Nationalen Olympischen Komitee (CONI) in Rom beschlossenen Verschärfungen der Vorschriften sollen als Gesetzesdekrete verabschiedet und sofort wirksam werden. Wenige Stunden nachdem der getötete Polizist Filippo Raciti zu Grabe getragen worden war, griff die Regierung hart durch. Ein toter Polizist löscht auch den WM-Sieg aus, sagte CONI-Chef Gianni Petrucci. Italien hat den Spaß an seinem Lieblingsspielzeug verloren.

Von sofort an kann potenziellen Randalierern vorsorglich der Zutritt zu Stadien verwehrt werden. Straffällig gewordene Ultras müssen während der Spiele öffentliche Toiletten putzen und Wandschmierereien entfernen, sagte Amato. Außerdem können Randalierer zukünftig noch 48 Stunden nach der Tat ohne Haftbefehl festgenommen und im Schnellverfahren verurteilt werden. Für Auswärtsspiele erhalten die Fans keine großen Kartenkontingente mehr und den Clubs werden Geschäftsverbindungen zu den teilweise sehr professionell organisierten Ultra-Clubs untersagt.

Unter diesen Bedingungen stellte der kommissarische FIGC-Präsident Luca Pancalli den Neustart der Ligen für Ende der Woche in Aussicht. Am Wochenende soll dann der 23. Spieltag mit dem brisanten Sizilien-Derby zwischen Messina und Catania stattfinden, der 22. Spieltag würde dann am Mittwoch darauf nachgeholt.

Hauptsache es wird wieder gespielt, begrüßte Juventus Turins Präsident Giovanni Cobolli Gigli die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Viele Clubs beklagen jedoch, dass die Regierung sie für die von ihnen gar nicht zu gewährende Sicherheit inner- und außerhalb der Stadion verantwortlich mache. Dass nach neuesten Berichten nur vier von 16 Serie-A-Stadien regelkonform sind, sei auch nicht die Schuld der oft nur als Mieter der Arenen auftretenden Clubs. Gebt uns die Stadien und wir kümmern uns darum, forderte Livornos Präsident Aldo Spinelli.

Auf die bislang großzügig verteilten Ausnahmegenehmigungen für die eigentlich schon seit zwei Jahren gültigen Pisanu-Gesetze, können die Clubs nicht mehr hoffen. Das war ein Fehler. Wir werden dem Druck der Clubs nicht nachgeben, erklärte Amato im Parlament. Streng genommen dürfte damit nur in Rom, Palermo, Siena und Turin vor Fans gespielt werden.

Wir hoffen auf das Englische Modell. Inter-Präsident Massimo Moratti schlug vor, sich an den auf der Insel erfolgreichen Anti- Hooligan-Aktionen zu orientieren. Nach dem eskalierten Streit zwischen der Regierung und den Clubs, denen nach Expertenschätzungen durch den Ligastopp ein Schaden von rund 500 Millionen Euro entstanden sei, bemühte sich Moratti um versöhnlichere Töne. Liga-Präsident Antonio Matarrese hatte für Wirbel gesorgt, als er Tote als traurigen Teil der Hooligan-Bewegung bezeichnete und vehement forderte: Die Show muss weitergehen. Ministerpräsident Ronani Prodi nannte dies verrückt. Auch aus den Reihen der Club-Präsidenten kam auf der Liga-Krisensitzung in Rom Kritik. Matarrese lehnte den von einigen geforderten Rücktritt jedoch ab.


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