Düsseldorf - Individuelle Zielvorgaben, ständige Kontrollen, frühzeitige EM-Qualifikation - auch ohne sportlichen Höhepunkt im Sommer hat Joachim Löw mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2007 viel vor.
Der Bundestrainer hat seinen Spielern beim ersten Länderspiel des Jahres gegen die Schweiz deutlich vor Augen geführt, dass für eine erfolgreiche Titel-Mission bei der Europameisterschaft 2008 schon jetzt die Weichen gestellt werden müssen. Es ist ganz okay, dass wir in diesem Jahr kein Turnier haben. Aber wir werden trotzdem unsere Ansprüche an die Spieler klar formulieren. Sie bekommen eine klare Aufgabenstellung für 2007, sagte Löw.
Nach dem Mammut-Programm mit 18 Länderspielen im WM-Jahr stehen im Übergangsjahr 2007 nur 12 Partien auf dem Spielplan. Im Vordergrund steht die EM-Qualifikation, in der es schon am 24. März in Prag gegen den Tabellenzweiten Tschechien zur wohl schwierigsten der insgesamt noch acht Partien bis zum Abschluss am 21. November in Frankfurt gegen Wales kommt. Die EM-Qualifikation ist das klare Ziel. Und wir wollen uns nicht erst am letzten Spieltag qualifizieren, sagte Löw.
Ausruhen auf den WM-Meriten darf sich kein Spieler, im Gegenteil: Löw will schon jetzt den Kampf um die EM-Tickets eröffnen, in dem er die Nationalspieler einzeln auf den Prüfstand stellt. In konkreten Zielvereinbarungen werde festgelegt, in welchen Bereichen sich ein Spieler verbessern muss, berichtete der Bundestrainer. Fortschritte sollen im technisch-taktischen und konditionellen Bereich erfolgen. Schon bei der nächsten Zusammenkunft im März wird der erste von zwei Leistungstests in diesem Jahr durchgeführt. 2007 steht im Zeichen der individuellen Entwicklung. Die werden wir immer wieder kontrollieren, kündigte Löw an. Er betont: Nur wenn wir individuell noch besser werden, können wir uns als Mannschaft verbessern.
Unter besonderer Beobachtung stehen die jungen WM-Stars wie Lukas Podolski (21), Bastian Schweinsteiger (22), Philipp Lahm (23) oder Per Mertesacker (22), die Löw gemeinsam mit Perspektivspielern wie dem gegen die Schweiz erstmals aufgebotenen Stuttgarter Angreifer Mario Gomez (21) zu einer Goldenen Generation erhoben hat. Wir haben uns vorgenommen, dass wir uns ganz besonders um die jüngeren Spieler bemühen, kündigte Löw für die kommenden Monate an. Stillstand oder Schlendrian will er ganz besonders bei den Talenten nicht dulden. An erster Stelle steht das Leistungsprinzip.
Bei einigen Wackelkandidaten ist der WM-Bonus aufgebraucht. Torhüter Timo Hildebrand und Mittelfeldspieler Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart sowie der Wolfsburger Angreifer Mike Hanke, die immer dabei waren, müssen sich 2007 bewähren, sagte Löw in einem Sport-Bild-Interview. Das gelte auch für den Schalker WM-Verlierer Kevin Kuranyi, der gegen die Schweiz nach 15 Monaten Abstinenz in die Nationalmannschaft zurückkehrte. Löw heizt den Konkurrenzkampf frühzeitig an: Das Rennen um die EM-Plätze läuft in diesem Jahr.
Dass 2007 kein sportlicher Höhepunkt ansteht, ist dem DFB-Cheftrainer im Hinblick auf die EM 2008 in Österreich und der Schweiz nicht unrecht. Ich bin froh, dass den Spielern in der Vorbreitung auf die EM ein ganz normales Jahr bevorsteht mit der Möglichkeit, im Sommer mal richtig Urlaub zu machen und zu regenerieren. Denn seit dem EM-Turnier 2004 in Portugal standen die Nationalspieler mit der anschließenden winterlichen Asienreise, dem Confederations Cup 2005 und besonders der WM im eigenen Land unter Dauerstress. 2006 waren wir 94 Tage zusammen, hat Team-Manager Oliver Bierhoff errechnet - das war ein Viertel des gesamten Jahres.
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