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Serie A-Clubs befürchten Wettbewerbsverzerrung | 2007-02-11


Rom - Gespenstische Stille bei den vier Geisterspielen und Schweigeminuten in den für Publikum geöffneten Arenen: Nach den tödlichen Krawallen von Catania rollte in Italiens Serie A wieder der Ball, den Spaß an ihrem geliebten Calcio haben die Italiener aber verloren.

Der Fußball hat kein Herz mehr, wir haben unsere Seele verkauft, klagte Coach Cesare Prandelli vom AC Florenz. In Florenz, Bergamo, Verona und Messina wurde vor leeren Rängen gespielt, weil die Stadien den von der Regierung verschärften Sicherheitsvorschriften nicht entsprechen. Der AC Mailand hatte nach fieberhaften Arbeiten an den bis vor wenigen Tagen noch fehlenden Einlasskontrollstellen in San Siro eine Sondergenehmigung erhalten. So konnten das Spiel gegen Livorno zumindest die Dauerkartenbesitzer sehen.

Fans der Auswärtsteams durften nirgendwo in die Stadien. Alle Spiele wurden aus Sicherheitsgründen auf Anordnung aus Rom am Nachmittag angepfiffen. Vor allem bei Abendspielen hatte es zuletzt schlimme Krawalle gegeben. Das Verbot der Abendspiele trifft vor allem die Pay-TV-Sender, die mit diesen Spielen mehr verdienen. Aber die Sicherheit geht vor, zeigten sich die TV-Stationen einsichtig.

Viele Fußball-Clubs dagegen sind kritischer: Die Meisterschaft wird verfälscht, schimpfte Atalanta Bergamos Präsident Ivan Ruggeri vor der ohne Publikum ausgetragenen Partie seines Clubs gegen Lazio Rom. Während einige Clubs bei Heimspielen Rückendeckung von ihren Anhängern bekämen, würden andere durch Geisterspiele geschwächt. Auch Lazio-Trainer Delio Rossi, der selbst dank des regelkonformen Olympiastadions in Rom nicht betroffen ist, zeigte Verständnis für die Verärgerung vieler Clubs: Das ist ja wie ein Video-Spiel, meinte Rossi beim Blick auf die TV-Bilder von den Zweitligaspielen vor leeren Rängen.

Am Rande der Zweitligapartie gegen Bari demonstrierten Brescia-Fans friedlich vor dem Stadion gegen die Geisterspiele. Insgesamt wurden nach einer Berechnung der Gazzetta dello Sport 110 000 Fans ausgesperrt. Den Clubs seien allein dadurch 4 Millionen Euro an Eintrittsgeldern verloren gegangen. Wo vor Fans gespielt werden durfte, bemühte man sich um klare Zeichen gegen die Gewalt. Palermos Präsident Maurizio Zamparini lud kostenlos zum Spiel gegen Empoli in die verwaiste Gästekurve Familien mit Kindern ein.

Unterdessen arbeiten Staatsanwaltschaft und Polizei in Catania fieberhaft an der Überführung der Täter, die den Polizisten Filippo Raciti in Catania getötet haben. Neben einem 17-Jährigen steht nun ein weiterer Randalierer unter dringendem Tatverdacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs. Den Tätern drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Der italienische Fußballverband FIGC kämpft derweil um sein Image und die vor Wochen noch so gut wie sicher geglaubte Europameisterschaft 2012. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) stellte jetzt eine entscheidende Vorbedingung: Ohne einen regulären Präsidenten hat Italien bei der Vergabe der EM 2012 am 18. April keine Chance. Der kommissarische FIGC-Präsident Luca Pancalli kündigte daraufhin am Sonntag Neuwahlen für den 16. April an. Einziger Kandidat ist bislang der FIGC-Vizepräsident Giancarlo Abete, einer der wenigen, die aus dem Liga-Manipulationsskandal des vergangenen Sommers unbeschadet hervorgegangen waren.


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