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Bielefeld auf Tuchfühlung zu den Bayern | 2007-09-16


Bielefeld - Bayern-Jäger Nummer eins statt graue Maus, Top- Position statt Abstiegskampf - Arminia Bielefeld versetzt die Fußball-Bundesliga in Erstaunen.

Es ist so, stimmte Manager Reinhard Saftig stolz zu, als er vom Prädikat Mannschaft der Stunde vernahm, das den Ostwestfalen nach dem 4:2 (1:0) gegen Aufsteiger Hansa Rostock von einem ZDF-Reporter verliehen wurde. Zehn Punkte, Tabellenplatz zwei hinter Bayern München, eine zweistellige Tor- Ausbeute nach fünf Spielen - Bielefeld präsentiert sich als bärenstarke Truppe mit frechen Stürmern.

Das Musterbeispiel ist Christian Eigler. Mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack in der 50. und 55. Minute zum 2:1 und 3:1 ebnete der 23-Jährige seiner Mannschaft den Weg zum Erfolg. Und glänzte obendrein mit coolen Sprüchen. Dafür ist man doch Stürmer geworden. Man muss die Dinger reinmachen. Oder: Man konzentriert sich auf das Spiel und macht sein Ding. In seinem zweiten Jahr bei der Arminia lebt Eigler vor, was Trainer Ernst Middendorp aus seinem Team herauskitzeln will: Leidenschaft, Kaltschnäuzigkeit, Cleverness, das Ausnützen gegnerischer Schwächen wie beim 4:1 durch Artur Wichniarek (59.).

Doch in Bielefeld sind sich alle einig: Abheben ist verboten. Wir wollen 42 Punkte, das ist das Maß der Dinge, lautet Middendorps Rechnung. Und doch will er, dass sich etwas entwickelt: Man muss nicht träumen oder Visionen aufstellen. Aber es muss auch nicht sein, dass es immer nur Platz 15 sein darf. Middendorp, in der schwierigsten Phase der vergangenen Saison als erfolgreicher Retter geholt, hat einen Prozess in Gang gesetzt, der sich gut anlässt. Dennoch sind sich alle einig, dass es zehn Punkte gegen den Abstieg sind. Ich glaube nicht, dass jemand abhebt, sagte Finanz- Geschäftsführer Roland Kentsch.

Dafür ist die Leistung noch zu instabil, die ersten 45 Minuten gegen Rostock waren armselig. Aber die Mannschaft beißt sich durch. Wir glauben an uns und unsere Stärken, brachte es Eigler auf den Punkt. Und jetzt kommt es zum Härtetest: Schön. Da kann man mit Ruhe nach Schalke fahren, hielt Vereinspräsident Hans-Hermann Schwick vor der Auswärts-Aufgabe in Gelsenkirchen fest. Saftig bemühte sich unterdessen, jeglichen Ansatz von Euphorie zu unterbinden: Das ist doch nur eine Momentaufnahme. Es wäre vermessen zu sagen, wir wollen jetzt die Bayern jagen.

In Rostock ist die Lage schon jetzt kritisch. Die Mannschaft von Trainer Frank Pagelsdorf präsentierte sich kaum bundesliga-tauglich. Natürlich ist der Saisonstart absolut nicht zufriedenstellend. Wir müssen Konsequenzen ziehen, kündigte der frühere Arminia-Torjäger an. Als wichtigste Aufgabe hat er sich das Ziel gesetzt, die Abwehr zu stabilisieren. Wenigstens gelangen Enrico Kern mit einem Fallrückzieher zum 1:1 (47.) und Kai Bülow zum 2:4 (63.) die ersten Auswärtstreffer. Das ist positiv, urteilte Pagelsdorf. Es war das einzige Plus eines Rostocker Nachmittags, an dem die Hansa-Defensive laut Pagelsdorf ziemlich katastrophal war und Torjäger Victor Agali zudem mit einem Eigentor das 1:0 für Bielefeld (31.) erzielte.


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