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Nürnberg im Stimmungshoch trotz Hanke-Schock | 2007-09-16


Nürnberg - Wieder ohne Bundesliga-Heimsieg und auch kein himmlischer Beistand mehr, aber dennoch geht der 1. FC Nürnberg als gefühlter Sieger in den anstehenden Fußball-Marathon.

Eineinhalb Jahre war der liebe Gott ein Clubberer, jetzt wendet er sich von uns ab, sagte Club-Coach Hans Meyer und verbuchte das 2:2 (0:2) gegen Hannover 96 auch angesichts großer Personalnot als Erfolgserlebnis. Das haben die Jungs richtig gut gemacht. Das 2:2 können sie ruhig als Sieg feiern. Die ersten Tore durch Offensivspieler in dieser Saison und die erfolgreiche Aufholjagd in einem fast schon verlorenen Spiel machen Mut für die kommenden drei Wochen, in denen sechs wichtige Spiele in der Bundesliga und im UEFA-Pokal auf die Franken warten.

Riesenkompliment an Nürnberg. Wie die Mannschaft zurückgekommen ist, das muss Mut machen, war selbst 96-Trainer Dieter Hecking von der Leistung des Pokalsiegers in Halbzeit zwei angetan. Mit Hilfe von oben wäre vielleicht mehr drin gewesen für den FCN als die ersten Saisontore von Zvjezdan Misimovic (60.) und Marek Mintal (89.), die ein hochverdienter Lohn für die furiose Aufholjagd nach Hannovers Führung durch den Doppelpack von Mike Hanke (12./39.) waren. In der dramatischen Schlussphase verschenkte der Club reihenweise hochkarätige Torchancen und verpasste eine rundum gelungene Generalprobe für das erste UEFA-Cup-Spiel seit 19 Jahren am Donnerstag gegen Rapid Bukarest.

Aber was nach der Halbzeit passiert ist, verdient ein großes Kompliment. Wenn man so zurückkommt und dann noch guten Fußball spielt, ist das ein Lob wert, sagte Meyer. Die Erleichterung des 64- jährigen Thüringers war spürbar, denn drei Heimpleiten in Serie hätten ihm arge Probleme bereitet. Im Moment läuft eine ganze Menge schief, klagte er angesichts der Personalnot. Stürmer Robert Vittek fällt die komplette Hinrunde aus, Iwan Saenko und Tomas Galasek sind angeschlagen und fehlen womöglich gegen Bukarest und auch beim Hamburger SV. Peer Kluge zog sich eine Muskelzerrung im Oberschenkel zu und muss gegen Bukarest wahrscheinlich zuschauen.

Während Trainerfuchs Meyer - psychologisch geschickt und als Balsam für die angeschlagene Club-Seele - selbst den Teilerfolg als Sieg verkaufte, vermochten die Spieler das Remis nicht so richtig einzuordnen. Ein Punkt ist schön, aber drei sind besser, meinte Mintal, der als erster FCN-Stürmer in dieser Saison ins Schwarze traf. Der Punkt ist für uns zu wenig, aber für die Moral und die Stimmung sehr wichtig, betonte der Ex-Bochumer Misimovic. Wir sind der gefühlte Sieger, aber das bringt uns nichts, sagte Ersatzkapitän Andreas Wolf.

Die seit 20 Jahren in Nürnberg sieglosen 96er waren sich dagegen einig, dass sie als Sieger vom Platz hätten gehen müssen. Vorher wäre ich mit einem Punkt zufrieden gewesen, jetzt nicht mehr, sagte Hecking. Auch der aus Bremen zu 96 gewechselte Christian Schulz, der in der 83. Minute Gelb-Rot sah, trauerte zwei Punkten nach: In der zweiten Halbzeit ist der Faden gerissen. Die Kraft fehlte, nachdem wir vorher so viel Power gemacht haben. Doppelschütze Hanke nahm den verpassten Sieg dagegen nicht allzu tragisch: Es ist schade, wirft uns aber nicht um.


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