Tokio/Rio de Janeiro - Schon lange wurde es kritisch und selbstkritisch diskutiert - doch nun ist es offiziell: Brasilien bewirbt sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, hat aber Angst vor eigenem Versagen.
Schon bevor der Präsident des brasilianischen Fußballverbandes, Ricardo Teixeira, in Tokio am Rande der Club-WM eine entsprechende Erklärung für den Weltfußballverband FIFA unterzeichnete, hatte sich in der Heimat des fünffachen Weltmeisters deutliches Unbehagen breitgemacht. Es herrscht die Furcht vor der eigenen Inkompetenz.
Selbst Staatspräsident Luiz Lula da Silva räumt ein, dass das Land nicht einmal ein einziges WM-taugliches Stadion hat. Mindestens zwölf neue Stadien müssten gebaut werden. Das ist aber bei weitem nicht das größte Problem. Wir haben weder Sicherheit, noch Transport, Infrastruktur oder Gesundheitsversorgung, klagt etwa der angesehene Sportpsychologe Eduardo Cillio. Er erinnert daran, dass es bei der Basketball-WM der Frauen in diesem Jahr in Sao Paulo in die Halle hineinregnete. Was sind die Prioritäten unserer Bevölkerung? Stadien oder Krankenhäuser und Schulen?, fragt Cillio.
Dagegen formulierte der Fußball-Präsident in Tokio blumig: Das ist eine einzigartige Gelegenheit für das brasilianische Volk, das die Weltmeisterschaft aus tiefster Seele will. Brasilien war bisher einmal Gastgeber der Fußball-WM im Jahre 1950 und verlor damals das entscheidende Finalspiel mit 1:2 gegen Uruguay.
Der Weltfußballverband will im November nächsten Jahres über den Austragungsort der WM 2014 entscheiden. Aber kann Brasilien überhaupt die Bedingungen erfüllen?
Ein erstes Debakel in Sachen Sportorganisation bahnt sich bereits bei den Panamerikanische Spielen im Juli 2007 in Rio de Janeiro an. Die Stadt und die Zentralregierung streiten sich acht Monate vor der Eröffnung, wer was finanzieren soll. Die Ausgaben haben sich bereits vervielfacht, aber die Bauarbeiten sind weit hinter Zeitplan. Viele Projekte, wie etwa der U-Bahn-Ausbau, wurden längst ad acta gelegt.
Nicht wenige Beobachter sind davon überzeugt, dass Gelder wieder einmal auf Nimmerwiedersehen in die falschen Taschen geflossen sind. Für die Modernisierung des legendären Maracana-Stadions wird in acht Jahren bis 2007 so viel Geld ausgegeben worden sein, wie für den Bau der modernen WM-Stadien in Leipzig oder im koreanischen Seogwipo ausreichte. Und das Stadion hat bis heute nicht einmal vernünftige Toiletten, klagt Fußballfan José Ramos.
Offizielle Pläne gibt es für 2014 noch keine. Nur Beteuerungen und Absichtserklärungen. Verbandspräsident Teixeira versichert, er wolle von der Regierung nicht einen einzigen Cent. Mit der WM verdient man viel Geld, viele Unternehmer werden an Sponsoring interessiert sein, sagte er. Pelé hatte gewarnt, das Turnier dürfe nicht auf Kosten des Steuerzahlers über die Bühne gehen.
Ob Brasilien will oder nicht: Es wird die WM 2014 ausrichten. Das ist beschlossene Sache, versicherte bereits vor Monaten der FIFA- Ehrenpräsident und frühere Teixeira-Schwiegervater Joao Havelange. Sichtlich erregt habe der 92-Jährige laut Medien auf die Frage reagiert, ob Brasilien in der Lage sei, die nötigen Stadien zu bauen. Das müssen Sie nicht mich, sondern den Herrn Präsidenten, die Gouverneure und die Bürgermeister fragen, entgegnete er barsch.
Spekulationen, wonach Argentinien und Chile eine gemeinsame WM- Bewerbung nicht ausschließen, wurden bisher nicht bestätigt. Kolumbien ist bereit einzuspringen, wenn Brasilien die Voraussetzungen nicht erfüllt. Nach Deutschland 2006 und Südafrika 2010 ist nach den FIFA-Planungen auf jeden Fall Südamerika an der Reihe.
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