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Spannung vor Hoyzer-Urteil - Nervosität beim DFB | 2006-12-14


Leipzig - Die Fußballwelt blickt am 15. Dezember voller Spannung nach Leipzig. Der Bundesgerichtshof (BGH) wird dann sein Urteil zum größten Wettskandal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fällen.

Nachdem Bundesanwalt Hartmut Schneider überraschend einen Freispruch für Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer beantragt hat, sind die Nerven zum Zerreißen gespannt. Für DFB-Präsident Theo Zwanziger wäre ein Freispruch des früheren Referees aus Berlin ein Schlag ins Gesicht.

Voller Empörung und Unverständnis hatten Zwanziger und Vertreter anderer Verbände Schneiders Interpretation zum Betrugsvorwurf vor dem 5. BGH-Strafsenat in Leipzig kommentiert. Nach gut zwei Wochen Bedenkzeit fällen nun die Bundesrichter ihr Urteil in dem Revisionsprozess. Dass sie dabei wirklich zu einem Freispruch kommen, halten Prozessbeobachter für eher unwahrscheinlich. Von der Richterbank erntete Schneider erstaunte Blicke und zweifelnde Bemerkungen. Ist tatsächlich Raum für einen Freispruch?, fragte der Vorsitzende Richter Clemens Basdorf.

Schneider, ein blitzgescheiter und akademisch hoch qualifizierter Strafrechtler, scheint sich in eine Minderheitsposition manövriert zu haben. Seinen Ausführungen zu Folge ist der Wettskandal nach den bestehenden Paragrafen nicht als Betrug zu bestrafen, weil der Tatbestand der Täuschung nicht erfüllt wurde. Das ist eine Gaunerei. Aber strafrechtlich kommt man da nicht dran, sagte Schneider nicht ohne Bedauern. Der Jurist stützte seine Argumentation auf ein BGH-Urteil von 1961, bei dem es um Pferdewetten ging.

Nach dem Urteil des Berliner Landgerichts vom November 2005 muss Hoyzer (27) dagegen zwei Jahre und fünf Monate in Haft. Drahtzieher Ante Sapina (30) hatten die Berliner Richter wegen Betruges in zehn Fällen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Laut Urteil hat er Schiedsrichter, darunter Hoyzer, für Spielmanipulationen bezahlt. Der zwischenzeitlich lebenslang als Schiedsrichter gesperrte Hoyzer wurde wegen Beihilfe zum Betrug in sechs Fällen verurteilt. Neben Sapinas Brüdern waren auch der frühere Referee Dominik Marks (31) und Ex-Fußballprofi Steffen Karl (36) beteiligt. Sie erhielten Bewährungsstrafen.

Das Berliner Urteil sei unter dem Druck der bevorstehenden WM entstanden, kritisierten die Verteidiger, die alle vor dem BGH um einen Freispruch kämpften. Falscher kann ein Urteil nicht sein, konstatierte Hoyzer-Anwalt Thomas Hermes. Nun liegt es an den Leipziger Richtern, ob das Berliner Urteil rechtskräftig wird.

Stellt der BGH Rechtsfehler fest und hebt das Urteil auf, muss der Prozess vor einer anderen Kammer des Berliner Landgerichts neu aufgerollt werden. Für diese Variante könnte unter anderem sprechen, dass Hoyzer im Urteil Manipulationen im Spiel zwischen den Amateuren des VfL Wolfsburg und den Amateuren des Hamburger SV am 6. November 2004 angelastet wurden. Dieses Spiel hat aber Dominik Marks gepfiffen. Bestätigt der 5. Strafsenat dagegen das Berliner Urteil, müssen Hoyzer sowie Sapina ihre Haftstrafe antreten.

Ungeachtet der strafrechtlichen Konsequenzen läuft beim Landgericht Berlin ein Zivilprozess um Schadenersatzforderungen der Deutschen Klassenlotterie gegen Hoyzer und die Sapina-Brüder. Dieser soll im März kommenden Jahres fortgesetzt werden. Ursprünglich sollte am 12. Dezember verhandelt werden.


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