Dortmund - Das Scheitern eines spektakulären Coups hat die Not von Borussia Dortmund bei der Suche nach einem neuen Trainer vergrößert. Nach reiflicher Überlegung erteilte der umworbene Ottmar Hitzfeld dem Fußball-Bundesligisten eine Absage.
Das Angebot hat mich geehrt. Ich habe auch ernsthaft darüber nachgedacht, aber letztendlich hat es nicht gepasst, sagte der Erfolgscoach der Bild. Auch die finanziell lukrative Offerte seines ehemaligen Clubs konnte den derzeitigen TV-Experten zweieinhalb Jahre nach seiner Trennung vom FC Bayern München nicht zu einer Rückkehr auf die Trainerbank bewegen.
Die Hoffnungen der Dortmunder Vereinsführung auf eine Zusage erwiesen sich damit als Wunschdenken. In den vergangenen Tagen hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke heimlich, still und leise versucht, Hitzfeld als Nachfolger des glücklosen Bert van Marwijk zu gewinnen. Schon während der 1:2 (0:1)-Niederlage gegen Bayer Leverkusen forderten einige Fans in Sprechchören dessen Rückkehr.
Als sicher gilt, dass die Vereinsführung die Zusammenarbeit mit van Marwijk am 19. Dezember beenden wird: Das Spiel gegen Leverkusen hat gezeigt, dass es schwierig würde, so weiter zu machen. Es wäre fahrlässig, nicht über Alternativen nachzudenken, sagte Watzke. Wer die Mannschaft auf die Rückrunde vorbereiten soll, ist nach der Absage von Hitzfeld allerdings völlig offen. Auch der von Dortmund umworbene Thomas von Heesen verschwendet nach eigenem Bekunden derzeit keinen Gedanken an einen vorzeitigen Abschied aus Bielefeld schon in der Winterpause.
Bereits Tag der Dortmunder Heimniederlage gegen Leverkusen hatte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß im DSF-Doppelpass laut über eine Rückkehr von Hitzfeld in die Bundesliga nachgedacht - und damit die Spekulationen geschürt: Ottmar ist wieder voller Tatendrang. Ich glaube, wenn das richtige Angebot kommen würde, würde er es machen. Aber auf der Trainerbank und nicht als Sportdirektor. Erfolgscoach Hitzfeld war zuvor in Hamburger Medien als Nachfolger von HSV-Coach Thomas Doll gehandelt worden, hatte entsprechende Berichte aber dementiert: Ich wurde nicht angefragt und habe auch kein Interesse, nach Hamburg zu gehen.
In Dortmund genießt Hitzfeld Kultstatus und galt deshalb als Ideallösung. Er hatte den Club 1998 als Sportdirektor verlassen und zuvor als Trainer zu zwei Meisterschaften (1995, 1996) und zum Champions-League-Sieg (1997) geführt. Nicht minder erfolgreich war er nach seinem Wechsel zum FC Bayern, mit dem er vier Mal in der Meisterschaft und einmal in der europäischen Königsklasse (2001) triumphierte. Nach einem Jahr ohne Titel gaben die Münchner im Mai 2004 die vorzeitige Auflösung des bis 2005 laufenden Vertrags bekannt. Dem Werben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), als Bundestrainer zu arbeiten, gab der pausierende Hitzfeld damals nicht nach und trat seither nur noch als TV-Experte in Erscheinung.
Der Handlungsbedarf in Dortmund ist riesengroß. Mit Hohn und Spott reagierten viele Zuschauer auf die abermals dürftige Vorstellung gegen Leverkusen. Begleitet von ironischen Gesängen der Fans (Oh, wie ist das schön, Deutscher Meister wird nur der BVB) drängte das Team vergeblich auf den Ausgleich. Normalerweise mag ich Galgenhumor. Aber es gibt nichts Schlimmeres für einen Sportler, als auf diese Art und Weise angefeuert zu werden, klagte der eingewechselte Christoph Metzelder.
Beinahe wäre es gar zu einem Eklat gekommen, als rund 100 aufgebrachte Fans noch während der Partie die Osttribüne stürmten, um direkt hinter der Trainerbank lautstark die Entlassung van Marwijks zu fordern. Zum ersten Mal in meiner Karriere gab es Gesänge gegen mich. Das waren 40, 50 Leute - die ergeben kein realistisches Bild, sagte der Coach.
Die feindselige Stimmung im Signal Iduna Park gab Watzke zu denken. Nur wenige Minuten nach dem Schlusspfiff kündigte er eine klärende Sitzung zwei Tage nach dem Spiel an. Für die Reaktion van Marwijks, der über eine fehlende Einladung klagte, hatte Watzke wenig Verständnis: Wenn ich als sein Arbeitgeber ein Gespräch mit ihm an einem normalen Arbeitstag führen will, braucht er keine Einladung von mir.
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