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FC Sevilla auf Erfolgswelle | 2006-12-26


Madrid - Ein Ronaldinho wäre bei uns nur Ersatzspieler. Von Bescheidenheit scheint José María del Nido, der Präsident des FC Sevilla, nicht viel zu halten.

Barcelonas Trainer Frank Rijkaard könnte bei uns allenfalls die B-Mannschaft betreuen. Der 49-jährige Clubchef des spanischen Fußball-Erstligisten nimmt den Mund ziemlich voll, aber dies ist ihm nicht einmal zu verdenken, denn sein FC Sevilla schwimmt derzeit auf einer beispiellosen Welle des Erfolgs.

Der Außenseiter, der vor sechs Jahren noch in der 2. Liga gekickt hatte, gewann in diesem Jahr den UEFA-Pokal (4:0 im Finale über den FC Middlesbrough) und den europäischen Supercup (3:0 gegen FC Barcelona). In der Primera División rangieren die Andalusier an der Spitze - noch vor Barça und Real Madrid. Der FC Sevilla ist ein heißer Anwärter auf den Gewinn der Meisterschaft, meint auch Spaniens größte Zeitung El País.

Auf die Frage, ob sein Club im spanischen Fußball nun hinter Barcelona und Real zur Nummer drei aufgestiegen sei, antwortet Del Nido: Was heißt Nummer drei? Wir sind weltweit die Nummer eins. Diese Behauptung ist nicht einmal aus der Luft gegriffen, denn der Internationale Verband für Fußball-Historie und -Statistik (IFFHS) führt den FC Sevilla als den besten Club des Jahres 2006.

Großen Anteil daran hat Trainer Juande Ramos. Er repräsentiert mit seiner zurückhaltenden Art das Gegenteil des auf Publizität bedachten Clubchefs. Wir haben eine gute Mannschaft, gehören aber nicht zur obersten Spitze, sagt er bescheiden. Der Coach, der bisher nur Abstiegskandidaten wie Rayo Vallecano oder den FC Málaga trainiert hat, erinnert ein wenig an den Stummfilm-Star Buster Keaton: Selbst in dramatischen Momenten wahrt er eine regungslose Miene.

Ramos führte ein schnelles und zielstrebiges Direktspiel ein. Er nahm den Rotweißen den Ruf der Kloppertruppe, in dem sie bis vor kurzem gestanden haben. Eine Stütze des Teams ist Daniel Alves, der zu den besten Rechtsverteidigern der Welt gezählt wird. Der flinke und obendrein torgefährliche Brasilianer ist auf dem Platz fast überall zu finden. Kein Spieler in Spanien hat so viele Ballkontakte wie er. Alves befindet sich in einer solchen Topform, dass der Ex- Stuttgarter Andreas Hinkel nur gelegentlich zum Zug kommt.

Voll eingeschlagen hat dagegen der Ex-Schalker Christian Poulsen, der im Sommer mit Hinkel gekommen war. Der Däne gehört im defensiven Mittelfeld zu den Schlüsselspielern. Als Glücksgriff entpuppte sich auch die Verpflichtung des Maliers Frederik Kanouté, der in Spanien mit 14 Treffern noch vor Ronaldinho (12) die Torjägerliste anführt.

Bislang hatte Sevilla seine besten Fußballer stets an größere Clubs abgeben müssen, wie zuletzt Sergio Ramos, José Antonio Reyes (beide jetzt Real Madrid) oder Julio Baptista (FC Arsenal). Dies hat der Club nun nicht mehr nötig. Er verlängerte soeben den Vertrag mit dem von anderen Clubs heftig umworbenen Daniel Alves bis 2012.

Vielleicht hat der Erfolg auch damit zu tun, dass der Clubchef schlichtweg ein Glückspilz ist. Der Präsident hatte kürzlich ein Zehntel-Los für die traditionelle Weihnachts-Lotterie geschenkt bekommen. Auf die Losnummer entfiel prompt der Hauptgewinn, und Del Nido durfte 300 000 Euro kassieren. Für uns ist anscheinend das ganze Jahr Weihnachten, freute sich der Vereinsboss.


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