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Becker: Vom Rettungsanker zum KSC-Erfolgsmotor | 2006-12-29


Karlsruhe - Die Note seiner Prüfung zum Fußball-Lehrer kennt Edmund Becker noch nicht. Doch die Tabelle der 2. Bundesliga genügt, um den Coach des Herbstmeisters Karlsruher SC als Fußball-Fachmann auszuweisen.

Der Tabellenführer spielte nicht nur eine überragende Hinrunde, er zeigte dabei auch begeisternden Fußball. Die glänzende Ausbeute von 38 Punkten aus bisher 17 Saisonspielen verdeutlicht den Aufschwung der Badener zusätzlich. Unter Beckers Vorgänger Lorenz-Günther Köstner erzielte der Traditionsverein in der gesamten Spielzeit 2002/2003 einen Zähler weniger, vermied gerade noch den Abstieg - und den damit wohl verbundenen Zerfall des Vereins.

Dass wir einen Weg eingeschlagen haben, der konsequent nach oben geführt hat, liegt schon in unserer Arbeit begründet, erklärt der 50-Jährige mit einem gewissen Stolz. Dass sein Team so durchstartete, hat allerdings auch den Trainer überrascht. Das war eine Traum-Vorstellung im ersten Halbjahr. Acht Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz, das war nicht vorherzusehen, sagt der frühere Bundesliga-Profi des KSC, der Mitte Dezember beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Fußball-Lehrer-Lizenz erwarb.

Dabei war Ede Becker im Januar 2004 eigentlich nur eine Notlösung. Nach der Trennung von Köstner hatte der KSC Reinhold Fanz als Coach verpflichtet. Doch auf Druck des Sponsors EnBW hin musste Fanz schon nach sieben Tagen wieder gehen. Erst im Trainingslager ließ sich der bisherige Co- und Amateurcoach Becker auf Druck der Mannschaft, des Präsidiums und angesichts der sich zuspitzenden Lage dazu bewegen, als Rettungsanker in die erste Reihe zu treten.

Mein größtes Ziel ist es, die Königsetappe zu erreichen. Das ist der Aufstieg in die Bundesliga, sagt Becker. Danach noch zwei, drei oder vier Jahre in dieser Position weiterzumachen, das ist für mich eine Zeit, die ich mir vorstellen könnte. Aber der Fußball ist schnelllebig, es kann auch alles ganz anders kommen. Mit dem ungewollten Rampenlicht hat sich Becker mittlerweile arrangiert. Ich versuche, dass sich so wenig wie möglich ändert, aber man kann es nicht immer vermeiden. Der Erfolg ist die angenehme Seite, und er bringt zwangsläufig mehr Öffentlichkeit.

Sein Rückzugsgebiet ist Reichenbach. Im Dorf in den Hügeln über Karlsruhe kann er abschalten. Das ist immer noch mein Nest, da gehe ich in die Kneipe und bin immer noch ein Bestandteil der Gemeinde, wie ich es schon seit Jahren war. In Karlsruhe sei er dagegen immer mehr der KSC-Trainer. Distanz wahrt er auch zu seinen Spielern. Ich möchte nicht zusammen mit ihnen über einem Bier in der Kneipe sitzen und diskutieren. Denn es gibt auch Situationen, in denen Du ihnen wehtun musst. Wenn Du da einen zu engen Kontakt hast, entscheidest Du nicht mehr rational. Für den Erfolg wäre das absolut schädlich.


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