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Angeschlagen: Werder geschwächt bei Luxus-Elf | 2007-09-17


Madrid - Angeschlagene Notelf gegen millionenschweres Starensemble: Geschwächt und durch den drohenden Ausfall von Nationalspieler Per Mertesacker geschockt ist Werder Bremen vor dem Champions-League-Auftakt bei Top-Favorit Real in Madrid gelandet.

Angesichts des Ausfalls von mehr als einem halben Dutzend Stammspielern und des Rückfalls in der Fußball-Bundesliga sind die Bremer nur krasser Außenseiter bei der mit rund 120 Millionen aufgerüsteten Weltklasse-Auswahl von Neu-Trainer Bernd Schuster. Werder droht daher die vierte Auftaktpleite bei der vierten Champions-League-Teilnahme. Da klingt es geradezu trotzig, wenn Spielmacher Diego forsch ankündigt: Wir wollen so viele Punkte wie möglich holen und damit in Madrid anfangen.

3:109 - diese Zahlen dokumentieren anschaulich das Kräfteverhältnis zwischen dem derzeitigen Bundesliga-13. und dem Tabellenführer der Primera Division. Gerade mal drei Tore haben die zur Verfügung stehenden Bremer Stürmer bisher in der Luxusklasse des europäischen Club-Fußballs erzielt, während allein Raul und Ruud van Nistelrooy zusammen im dreistelligen Bereich liegen. Real hat eine bemerkenswerte Offensive, sagte Coach Thomas Schaaf voller Respekt: Wenn man die gewähren lässt, wird es schwierig. Sein Rezept lautet: Entscheidend ist, dass wir den Gegner auch mal in Not bringen.

Ausgerechnet vor der schwersten Aufgabe der Gruppe C sind die Bremer aber physisch und psychisch angeschlagen. Sie mussten beim mühsam verhinderten Debakel in Dortmund (0:3) erkennen, dass die vielen Ausfälle selbst im Liga-Alltag kaum zu ersetzen sind. Schaaf klagt jedoch nicht, auch wenn die Liste der fehlenden Asse von den Nationalspielern Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz sowie dem brasilianischen Stareinkauf Carlos Alberto angeführt wird. Zudem droht nun noch der Ausfall von Mertesacker, der an Magenproblemen leidet und am Montag nicht trainieren konnte. Ihm ist übel gewesen, der Flug war kein Highlight für ihn. Morgen früh werden wir sehen, ob es machbar ist oder wir einen neuen Ausfall haben, sagte Schaaf.

Manager Klaus Allofs sagte vorsichtig: Wenn Spieler wie Frings, Borowski und Fritz dabei wären, würde sich der Druck auf mehrere Schultern verteilen. So lastet er vor allem auf Diego. Dass zudem in Aaron Hunt und Ivan Klasnic seit langem die erfolgreichsten Stürmer und Stammverteidiger Pierre Womé fehlen, zudem Patrick Owomoyela und Martin Harnik noch nicht hundertprozentig fit sind, wird bei Werder kaum mehr erwähnt. Dabei wäre der Unterschied schon so krass genug. Welche Rolle Diego spielt weiß auch Schuster: Er ist der Kopf der Mannschaft, noch mehr, weil Frings fehlt. Der deutsche Coach kündigte eine Spezialbewachung für Werders Spielmacher an: Den müssen wir bremsen, den kann man nicht frei rumlaufen lassen.

19:120 - so lautet der Vergleich der Transferausgaben vor dieser Saison in Millionen Euro. Die Bremer treffen auf den spektakulär verstärkten spanischen Meister, der mit drei Siegen so gut wie noch nie in die Saison gestartet ist und Schaaf zu ungewohnter Schwärmerei veranlasste: Real steht für etwas Außergewöhnliches, für etwas ganz Besonderes. Da muss es für die Bremer fast wie eine Drohung klingen, dass der deutsche Nationalspieler Christoph Metzelder ankündigte: Jetzt wollen wir auch gut in die Champions League starten.

Dass die für rund 66 Millionen neu verpflichteten Arjen Robben und Pepe zuletzt fehlten und nun auch Mahamdou Diarra und voraussichtlich Gabriel Heinze ausfallen, ist angesichts Reals Luxus-Kaders nicht der Rede wert. Wir werden dadurch nicht ein Minimum an Qualität einbüßen, sagte Schuster über seine Ersatz-Leute Gago und Torres.

Die klare Rollenverteilung hat für Werder auch einen Vorteil. Die Erwartungshaltung bei solch einem Gegner ist in der Öffentlichkeit sicher geringer als gegen Lazio oder Piräus, glaubt Schaaf. Zugleich wirkt es so, als wolle er sich und seinem Team Mut zusprechen. Die Spieler auf dem Platz haben unser Vertrauen, sie haben auch schon in der Bundesliga und in der Qualifikation gegen Zagreb gezeigt, dass es geht. Es ist auch in Madrid möglich, eine starke Partie zu liefern.


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