Köln - Der Heilsbringer war zwar nicht da, aber das störte bei der Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln niemanden. Zu groß sind in Köln die Hoffnungen, mit dem gefeierten Trainer Christoph Daum die Wende in der 2. Fußball-Bundesliga doch noch zu schaffen.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir alle zusammen etwas erreichen können, sagte FC-Präsident Wolfgang Overath voller Pathos. Der 1. FC Köln liegt nicht am Boden. Wir können und wir wollen aufsteigen. Hierfür sei er auch bereit, finanzielle Risiken einzugehen und mehr Geld in die Hand zu nehmen.
Als um Punkt 19.00 Uhr die Club-Hymne Mer stonn zo dir, FC Kölle erklang, konnte die Kölner Ikone noch nicht wissen, dass der Abend harmonisch verlaufen würde. Doch beflügelt vom Daum-Effekt hielten sich die 1912 anwesenden Vereinsmitglieder nach der tagelangen Posse um die Verpflichtung des Fußball-Lehrers und einem Rückstand von acht Punkten auf die Aufstiegsplätze mit Kritik zurück. Zumal Overath früh einräumte, in einem Jahr der Enttäuschungen Fehler gemacht zu haben und den Abend als persönliche Niederlage wertete: Es ist mit dem 1. FC Köln nicht in die Richtung gegangen, in die ich wollte.
Der 63-Jährige, der sich zuletzt in die Rolle des Sündenbocks gedrängt sah, kündigte ein mutigeres Transfergebahren an: Wir werden deutlich mehr investieren als bisher, aber keine unkalkulierbaren Wagnisse eingehen. FC-Manager Michael Meier lobte Overath für diesen Paradigmenwechsel und das Ende der Einkaufspolitik mit zugenähten Taschen. Zugleich sagte er, dass er in Köln eine gewisse elitäre Arroganz vermisse - um sogleich den derzeitigen Zweitliga-Alltag zu ignorieren und den Blick auf das Fußball-Oberhaus zu richten: Wer in der Bundesliga Erfolg haben will, muss Mut haben und investieren.
Während sich die Clubführung in der Messehalle nur vereinzelter Spitzen erwehren musste, kam Daum abseits des Trubels auf der anderen Rheinseite zu einem Gespräch mit der Mannschaft zusammen. Bewusst habe der Erfolgscoach die Versammlung nicht zu seiner Jubelfeier genutzt, sagte Overath. Christoph hat das nicht nötig und wir brauchen kein Schutzschild. Nun erwarte er von der seit acht Spielen sieglosen Elf eine Serie.
In Overaths knapp zweieinhalbjähriger Amtszeit gab es bereits vier Trainer - mit Daum soll nun langfristiger Erfolg einkehren. Riesen- Kompliment an Christoph, dass er diese Entscheidung für die 2. Liga und sein Herz getroffen hat, sagte der Clubchef. Von dem 53-Jährigen dürften aber keine Wunderdinge erwartet werden: Hand auflegen geht nicht. Der Weltmeister von 1974 betonte, dass er zu keiner Zeit an Rücktritt gedacht habe: Ein Wolfgang Overath lässt den FC nicht im Stich.
Unterdessen bekräftigte der frühere Leverkusener Manager Reiner Calmund, dass er kein Amt beim 1. FC Köln anstrebe. Ich werde nicht mehr im operativen Geschäft tätig werden, sagte Calmund der dpa. Zudem schloss Meier ein Comeback des früheren FC-Verteidigers Jürgen Kohler in Köln aus.
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