Karlsruhe - Bevor die deutschen Fußballerinnen im kommenden Jahr das Unternehmen WM-Titelverteidigung starten, werden sie sich noch ein paar Tipps von der Männer-Nationalmannschaft holen.
Bei der DFB-Weihnachtsfeier am 15. Dezember will ich mich länger mit Jogi Löw unterhalten - und danach eine Runde tanzen, kündigte Bundestrainerin Silvia Neid bestens gelaunt nach dem 6:3 (3:0) im Testspiel gegen Japan in Karlsruhe an. Am 10. September 2007 werden Birgit Prinz und Co. das WM-Eröffnungsspiel in China bestreiten. Bis dahin will Neid ähnlich konsequent wie einst Jürgen Klinsmann ein schlagkräftiges Team formen.
Das war ein toller Abschluss des Jahres. Jetzt können wir beruhigt nach Hause fahren und uns aufs neue Jahr vorbereiten, meinte die 42-Jährige nach dem elften Sieg im zwölften Spiel 2006 mit der souveränen WM-Qualifikation. Die Gastgeberinnen ließen vor 12 318 Zuschauern zwar nach der Pause noch drei Tore zu, doch auch DFB- Präsident Theo Zwanziger und Neids Vorgängerin Tina Theune-Meyer sahen wirklich schön herausgespielte Tore des sechsmaligen Europameisters.
Die dreimalige Weltfußballerin des Jahres Birgit Prinz vom 1. FFC Frankfurt erzielte in ihrem 155. Länderspiel, mit dem sie zur alleinigen Rekordnationalspielerin aufrückte, ihr 101. Tor. Zudem trafen ihre Vereinskolleginnen Petra Wimbersky (2) und Kerstin Garefrekes, die sehr überzeugende 18 Jahre alte Célia Okoyino da Mbabi (SSC 07 Bad Neuenahr) und die Potsdamerin Conny Pohlers.
Am 19. und 20. Dezember versammelt Neid den erweiterten Kader mit 32 Spielerinnen noch zu einem Leistungstest. Dann krieg ich meine Hausaufgaben unter den Weihnachtsbaum gelegt, sagte Prinz. Der erste Härtetest für den Olympia-Dritten steht dann bereits vom 26. bis 30. Januar beim Vier-Nationen-Turnier in China an, wo neben den WM- Gastgeberinnen auch England und die USA teilnehmen. Am 7. März beginnt dann der Algarve-Cup in Portugal - unter anderem mit den WM- Mitfavoritinnen USA, Schweden und Norwegen. Nach diesem Turnier weiß ich ungefähr, mit welchen 24 Spielerinnen ich in die WM-Vorbereitung gehe, sagte Neid.
Insgesamt sieben Lehrgänge stehen bis zum Abflug in das Reich der Mitte am 3. September an. Und die Bundestrainerin ratterte nach dem Sieg gegen Japan eine ganze Liste von Dingen herunter, die sie noch verbessern will: Wir müssen am Passspiel arbeiten, der Ball muss flüssiger laufen, auch mehr gefordert werden. An der Athletik und Fitness muss gefeilt werden, die Flanken müssen präziser kommen. Es gibt jedenfalls noch ganz viel zu tun.
Deshalb will Neid weiterhin den Kontakt zum Trainerstab der männlichen Auswahl pflegen. Bei den Männern gehts gar nicht so viel anders zu, erklärte Mittelfeldspielerin Renate Lingor, die ausgerechnet in ihrer Heimatstadt Karlsruhe wegen einer Wadenverletzung passen musste. Sie hat sich mit ihren Frankfurter Vereinskolleginnen Sönke Wortmanns WM-Film Deutschland. Ein Sommermärchen angeschaut: Es war interessant zu sehen, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Mit dem dritten Platz wären Prinz, Lingor und Co. in China aber wahrscheinlich nicht zufrieden.
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