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HSV-Marketing mit Rekorden in allen Bereichen | 2006-12-06


Hamburg - Eine Krise sieht anders aus: Die Zuschauerzahlen sprengen alle Rekorde, die Mitgliederzahl ist bis auf 46 000 in die Höhe geschnellt und 22 000 Trikots hat der Hamburger SV noch nie zu diesem Zeitpunkt in der Saison verkauft.

Die Marketing- und Mitgliederabteilungen des Fußball-Bundesligisten trotzen dem freien sportlichen Fall und stellen Woche für Woche neue Bestmarken auf. Aus diesen Bereichen sind nur Rekordzahlen zu vermelden, sagt Vorstandsmitglied Katja Kraus, verantwortlich für Marketing und Merchandising, der diese guten Zahlen in der Krise fast unangenehm sind. Die Euphorie der vergangenen Saison mit Platz drei schlägt sich bis in diese sportlich Krisen-Spielzeit nieder, die Frage ist, wie lange noch.

Mit Wehmut verabschieden sich die finanziell Verantwortlichen von der Champions League, die ihnen trotz des sportlichen Desasters mit rund 17 Millionen Euro Einnahmen versüßt wurde. Für den HSV standen vor dem letzten Gruppenspiel gegen ZSKA Moskau neben den 4,4 Millionen Euro Startgeld bis zu 6,5 Millionen Euro aus dem Markt-Pool zu Buche. Die Zuschauereinnahmen aus den drei Heimspielen belaufen sich auf rund sechs Millionen Euro.

Wegen der Krise muss der Verein bange darauf warten, ob sich Stadionnamensgeber AOL Deutschland nach der Übernahme durch die Telecom Italia bis Jahresende entscheidet, den Sechs-Jahres-Vertrag über 18 Millionen Euro zu verlängern. Der HSV war der erste Club, der seinen Stadionnamen verkauft hat und wäre auch der erste, der die Arena umbenennen müsste, falls AOL die Option nicht zieht. Das Thema ist für viele Anhänger des hanseatischen Traditionsclubs sensibel, deswegen hofft der Vorstand auf eine Verlängerung mit dem Internetanbieter. Ansonsten stünde möglicherweise Trikotsponsor Emirates bereit. Nach der Fluggesellschaft ist schon das moderne Stadion des FC Arsenal im Norden Londons benannt.

Das Ziel der Vereinsführung ist es, mit Einnahmen aus vielen Bereichen ein Stück weit unabhängig vom sportlichen Erfolg zu werden. So sind die Einnahmen aus dem VIP-Bereich durch die attraktive Arena zu einer festen Größe geworden: rund 15 Millionen Euro bringen 59 Logen und 3000 Business-Seats, ein Verköstigungszelt für 600 gut zahlende Gäste ist Wochenende für Wochenende bis zu 70 Prozent ausgelastet.

Im Sponsorbereich wurden langfristige Verträge abgeschlossen, die etwa 20 Millionen Euro jährlich in die Kassen spülen. Doch um die Geldgeber bei der Stange zu halten, müssen Kraus und Vorstandschef Bernd Hoffmann derzeit viele Gespräche führen. Ein Mitleidsfaktor schlägt sich monetär nicht nieder, sagt Kraus, die seit ihrem Wechsel vom Vermarkter Sportfive mit vielen Ideen aufwartete.

So gibt es seit 2003 einen kids-club, der immerhin schon fast 5000 Mitglieder anzog. Und selbst wenn es dem noch nie abgestiegenen Bundesliga-Dino einmal ganz schlecht gehen sollte, kann er immer noch auf den Nachwuchs zählen: So stürmen die Kinder die Fußball-Schule - für 2007 haben sich schon 5000 angemeldet.


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