Güstrow - Leicht gebräunt sitzt Fußball-Torhüter Andreas Reinke in einem Café auf dem Güstrower Marktplatz und schaut den Passanten zu. Noch vor vier Monaten stand der gebürtige Krakower im Tor von Werder Bremen.
Am Morgen war der ehemalige Bundesliga-Schlussmann des SV Werder Bremen angeln, am See vor seinem Haus, das er sich vor einigen Jahren vor den Toren der Stadt gekauft hat. Nun genießt der 38-jährige Mecklenburger die Sonne. Es ist toll, wieder in der Heimat zu sein und die Ruhe zu genießen, sagt Reinke.
Beim 3:2 gegen Arminia Bielefeld am 31. Spieltag der vergangenen Saison bestritt er sein letztes Bundesligaspiel von Beginn an. Im Sommer dann verkündete die Bremer Vereinsführung, dass Reinkes Vertrag nicht verlängert wird. Daraufhin klopften zahlreiche Clubs aus dem In- und Ausland bei ihm an. Angebote aus der Bundesliga, aus der Türkei, Griechenland, Spanien und aus Österreich lehnte er ab. Ich war ziemlich ausgebrannt und hatte nicht so recht die Motivation dafür. Es waren interessante Angebote dabei, aber vom Kopf her hat es nicht ganz gepasst.
Für den FC Hansa Rostock, der nach dem Aufstieg einen Ersatz für den abgewanderten Torhüter Mathias Schober suchte, hätte er sein Karriereende gern noch hinausgezögert. Ja, mit Rostock habe ich auch kurz gesprochen. Da hätte ich gern noch einmal gespielt, denn Hansa ist mein Verein. Ich stand auch schon zwei Mal kurz davor, an die Ostsee zu wechseln. Aber auch diesmal kam es nicht dazu, denn die Rostocker entschieden sich für Stefan Wächter vom Hamburger SV.
Reinke ist jedoch nicht traurig darüber. In seiner fast 20-jährigen Karriere, die in Güstrow und Schwerin begann, hat er schon vieles erlebt und weiß, wie das Geschäft läuft. Nach der Wende wechselte er zum HSV, danach zum Stadtrivalen St. Pauli und 1994 nach Kaiserslautern, wo ihm der Durchbruch gelang. Mit dem FCK holte er 1996 den DFB-Pokal, stieg im selben Jahr in die 2. Bundesliga ab und wurde nach dem Wiederaufstieg deutscher Meister.
Nach sechs Jahren in der Pfalz folgten Stationen in Griechenland und Spanien, ehe er 2003 nach Bremen ging und auf Anhieb das Double aus Pokal und Meisterschaft feierte. Somit ist Reinke bisher der einzige Torwart, der als Stammspieler mit zwei verschiedenen Vereinen deutscher Meister wurde.
Seine sportliche Situation sieht Reinke realistisch: Wenn sich bis zum Winter noch ein Verein melden sollte, dann höre ich mir das an, aber das ist relativ unwahrscheinlich. Und zur Zeit fühle ich mich auch ganz wohl so. Für die Zukunft plant der Mecklenburger sein Wissen aus über 200 Bundesligaspielen als Torwarttrainer weiterzugeben. Ich habe ein, zwei Sachen in Aussicht, verhandele aber noch und muss sehen, ob davon etwas klappt, sagt Reinke. Fest steht für ihn aber, dass er in Güstrow bleiben will.
Und diese Heimatverbundenheit könnte sich auch sportlich auswirken. Denn bei Dynamo Schwerin wird bereits spekuliert, wann wieder mit Andreas Reinke im Dress der Landeshauptstädter zu rechnen sei. Mit diesem Club feierte Reinke vor 17 Jahren seinen ersten großen Erfolg, den Einzug ins DDR-Pokalfinale. Wir sind im Kontakt und gucken mal, was sich ergibt, sagt Reinke. Wenn er beim heutigen Landesligisten tatsächlich wieder einsteigen sollte, dann nur als Stürmer, denn hinten habe er genug rumgestanden.
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