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Klinsmann sagt US-Verband ab | 2006-12-08


Washington - Nach dem knapp verpassten Titelgewinn mit der DFB-Elf bei der WM im eigenen Land wird Jürgen Klinsmann die Fußball-Nationalmannschaft seiner Wahlheimat USA nicht zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika führen.

Ich habe meinen Namen von der Kandidatenliste streichen lassen, ließ der frühere Bundestrainer über seinen US-Vertrauten Warren Merserau mitteilen. Ich stehe als Trainer nicht zur Verfügung. Er habe die Verhandlungen mit dem Chef des amerikanischen Fußball-Verbandes (USSF), Sunil Gulati, abgeschlossen, erklärte Klinsmann. Der 42 Jahre alte Schwabe galt als Wunschkandidat des USSF für die Nachfolge von Bruce Arena.

Klinsmann hätte gut zu unserer Mannschaft gepasst, sagte der amerikanische Bundesliga-Profi Steven Cherundolo von Hannover 96. Seine Erfolge in Deutschland sind unbestritten, die erfolgreiche WM war dafür das beste Beispiel.

Vom US-Verband gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. USSF-Chef Gulati kündigte jedoch für den 8. Dezember eine wichtige Mitteilung über die Suche nach dem neuen Trainer an. Warum die Monate langen Verhandlungen letztlich doch noch scheiterten, ist derzeit unklar. Ich werde nicht über Details reden, sagte Klinsmann. Sein Berater Roland Eitel bestätigte, dass die Gespräche bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und sehr konkret gewesen seien. Jürgen ist kein Typ, der sich nur zum Kaffeetrinken mit jemandem trifft, sagte Eitel der dpa. Zu den Gründen des Scheiterns wollte auch er sich allerdings nicht öffentlich äußern.

Das Gehalt, wie in den vergangenen Wochen teilweise kolportiert, dürfte nicht ausschlaggebend gewesen sein. Offenbar hatte Klinsmann - wie bei seinem zweijährigen Engagement für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch - eine Art Persilschein mit größtmöglichen Kompetenzen und Freiheiten bei wichtigen sportlichen Entscheidungen haben wollen. Finanziell waren sie sich prinzipiell einig, zitierte die New York Times einen Verbandsoffiziellen, der anonym bleiben wollte. Es war eine Frage von Autorität und Kontrolle.

Ich wünsche dem neuen Trainer der Nationalmannschaft der USA viel Glück und danke Sunil für die Gelegenheit, Ideen auszutauschen, sagte Klinsmann. Nach dem dritten WM-Platz mit der deutschen Mannschaft hatte er seinen Vertrag mit dem DFB nicht verlängert und eine Auszeit bis zum Jahresende angekündigt. Zuletzt kümmerte sich der 108-malige Nationalspieler wieder verstärkt um seine Firma Soccersolutions. Doch über kurz oder lang dürfte er wieder einen Trainerjob anstreben, nachdem er beim Projekt WM 2006 großen Gefallen an der Tätigkeit gefunden hatte. Auf die Frage, ob der frühere Bundesliga-Stürmer des FC Bayern München und VfB Stuttgart bereits andere Pläne habe, sagte Eitel der Netzeitung: Es gibt keinen Plan B.

Der US-Verband scheint nach Klinsmanns Absage keine kurzfristige Alternative in der Schublade zu haben. Vorerst wird der Amerikaner Bob Bradley, Trainer des Major-League-Clubs Chivas USA, zum Übergangstrainer ernannt. Jürgen war unsere erste Wahl. Deswegen haben wir lange mit ihm verhandelt. Vielleicht zu lange, sagte Verbandspräsident Sunil Gulati in Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Bob Bradley, 48, trainierte bereits verschiedene US-Teams und ist Trainer des US-Teams für die Olympischen Spiele in Peking 2008.

Arenas Vertrag war nach dem WM-Vorrunden-Aus nach fast acht Jahren nicht verlängert worden. Zuletzt wurden auch der ehemalige englische Nationalcoach Sven-Göran Eriksson, der mit Argentinien an Klinsmanns Mannschaft im WM-Viertelfinale gescheiterte Argentinier José Pekerman und Gerard Houllier, Trainer des französischen Meisters Olympique Lyon, als Kandidaten für den Posten als US-Coach gehandelt.

Spätestens zum ersten Länderspiel im Jahr 2007 am 20. Januar will der USSF einen Coach präsentieren. Die Partie gegen Dänemark wird in Carcon ausgetragen - unweit von Klinsmanns Wohnsitz nahe Los Angeles.


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