Washington - Bob Bradley wird vorerst Trainer der US-amerikanischen Fußball-Nationalmannschaft. Einen Tag nach der Absage seines Wunschkandidaten Jürgen Klinsmann stellte der amerikanische Fußball-Verband (USSF) in Chicago den 48-Jährigen als Übergangs-Coach vor.
Jürgen Klinsmann war unsere erste Wahl, räumte Verbandspräsident Sunil Gulati ein. Der ehemalige Trainer der deutschen Nationalmannschaft hatte den Amerikanern nach monatelangen Verhandlungen einen Korb gegeben.
Ich habe meinen Namen von der Kandidatenliste streichen lassen, ließ Klinsmann über seinen US-Vertrauten Warren Merserau mitteilen. Ich stehe als Trainer nicht zur Verfügung. Er habe die Verhandlungen mit dem Chef der USSF abgeschlossen, erklärte Klinsmann.
Doch vielleicht nicht für immer. Verbandspräsident Gulati sagte, er hätte ein sehr intensives Gespräch mit dem deutschen Wunschkandidaten geführt: Er drückte sein großes Interesse am US- Fußball aus, und wir werden vielleicht einmal zusammenarbeiten. Es gebe jedoch noch keine konkreten Planungen. Klinsmann lebt mit seiner Familie in Kalifornien, in der Nähe des US-Fußball-Trainingszentrums.
Der am 8. Dezember nominierte Übergangs-Trainer Bradley hat in den USA bereits mehrere Erstligisten-Teams betreut. Er ist derzeit beim Major-League-Club Chivas USA aktiv. 1998 gelang ihm mit Chicago der US-Titelgewinn, von 2003 bis 2005 war er Teamchef der New York MetroStars. 2008 wird er das Olympia-Team der USA betreuen. Nach Auskunft von Verbandspräsident Sulati wird Bradley bis in den kommenden Frühjahr Teamchef bleiben. Wir führen derzeit Gespräche mit zwei international renommierten Trainern, die allerdings noch bis Anfang kommenden Jahres gebunden seien. Bradley sei auch ein möglicher Kandidat für die Nachfolge von Bruce Arena, dessen Vertrag der Verband im Juli nach fast acht Jahren nicht verlängert hatte.
Klinsmann hätte gut zu unserer Mannschaft gepasst, sagte der amerikanische Bundesliga-Profi Steven Cherundolo von Hannover 96. Seine Erfolge in Deutschland sind unbestritten, die erfolgreiche WM war dafür das beste Beispiel.
Warum die Monate langen Verhandlungen letztlich doch noch scheiterten, ist unklar. Alles, was in den Medien zu lesen oder zu hören war, ist Unsinn, sagte Sulati. Er respektiere Klinsmanns Wunsch, nicht über Details zu sprechen. Die Verhandlungen waren bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Klinsmanns Berater Roland Eitel sagte der dpa, die Gespräche seien sehr konkret gewesen. Jürgen ist kein Typ, der sich nur zum Kaffeetrinken mit jemandem trifft.
Für die Übernahme des Trainerpostens wurden zuletzt mehrere Kandidaten gehandelt: der ehemalige englische Nationalcoach Sven- Göran Eriksson, der Argentinier José Pekerman und Gerard Houllier, Trainer des französischen Meisters Olympique Lyon. Ich wünsche dem neuen Trainer der Nationalmannschaft der USA viel Glück und danke Sunil für die Gelegenheit, Ideen auszutauschen, hatte Klinsmann gesagt. Nach dem dritten WM-Platz mit der deutschen Mannschaft hatte er seinen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht verlängert und eine Auszeit bis zum Jahresende angekündigt.
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