Rom - Das war nicht das Wochenende des AC Mailand. Erst ging Milan als einziger Club im Fußball-Skandal bei den großzügigen Strafminderungen leer aus und dann verlor man auch noch in einem grandiosen Derby mit 3:4 gegen Inter Mailand.
Während Serie A-Spitzenreiter Inter (21) seine Titelambitionen am neunten Spieltag untermauerte, musste Milan-Trainer Carlo Ancelotti bereits branchenübliche Durchhalteparolen bemühen: Die Meisterschaft ist längst noch nicht verloren, erklärte der 47-Jährige mit einem traurigen Blick auf die Tabelle. Mit 12 Punkten ist Milan nur Zwölfter. Ohne die vom Sportgericht aufgebrummten acht Strafpunkte wäre Silvio Berlusconis Club dem Lokalrivalen Inter dicht auf den Fersen.
Im Mailänder San Siro-Stadion lieferten sich die Stadtrivalen ein mitreißendes Duell. Hernan Crespo (17.), Dejan Stankovic (22.) und Zlatan Ibrahimovic (47) hatten Milan an den Rand eines Debakels gebracht, bevor Clarence Seedorf (50.) und der Platzverweis für Marco Materazzi Milan wieder ins Spiel brachten. Nachdem Materazzi nach seinem Treffer zum 4:1 (69.) vom Platz geflogen war, legte Milan dank Alberto Gilardino (76.) und Kaka (91.) eine fulminante Aufholjagd hin. Wir können stolz auf unser Team sein, sagt Ancelotti, dessen Team den Ausgleich verdient gehabt hätte.
So mischte sich in den Stolz auch Enttäuschung. Am Wochenende der Milde tat die Derby-Niederlage Milan doppelt weh: Großzügig hatte das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) die Strafen gegen Juventus Turin, Lazio Rom und den AC Florenz abgeschwächt und damit einen Schlussstrich unter den größten Fußball-Skandal in der Geschichte des Landes. Ich hoffe, dass damit alles erledigt ist, sagte der Kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Luca Pancalli.
Dem zum Zwangsabstieg in die Serie B verurteilten Rekordmeister Juve wurden acht Strafpunkte erlassen, wodurch der direkte Wiederaufstieg gesichert und der finanzielle Verlust begrenzt erscheint. Vom drittletzten Platz der Serie B klettert Juve durch den Strafnachlass und den 1:0-Heimsieg gegen Frosinone mit nun 13 Punkten auf Platz zehn. Dank des 200. Tores von Kapitän Alessandro Del Piero trennen den Traditionsclub nur noch drei Punkte von einem Aufstiegsplatz und gerade noch fünf Zähler von Spitzenreiter FC Genua.
Unser Einsatz und unsere Opferbereitschaft sind zumindest teilweise gewürdigt worden, äußerte sich Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli zufrieden. Wie Juve erhielt auch Lazio Rom acht Strafpunkte erlassen. Jetzt kommt die Wahrheit langsam ans Licht und das ist okay für uns, sagte Lazio-Präsident Claudio Lotito. Bedingt zufrieden zeigte sich AC Florenz-Präsident Diego Della Valle, der aber weitere gerichtliche Schritte noch nicht endgültig ausschließen wollte.
Unbehelligt von den Irrungen und Wirrungen des Fußball-Skandals hielten der FC Palermo (21) und AS Rom (18) Schritt mit Spitzenreiter Inter (21). Der mit Inter punktgleiche FC Palermo siegte in Florenz mit 3:2, Rom gewann in Udine 1:0.
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