London - Im englischen Lager herrschte Katzenjammer nach der ersten Niederlage im neuen Wembley-Stadion. Englands böse Wembley-Geister, titelte die Sun und vermutete bereits einen Fluch auf dem 1,4 Milliarden teuren Stadion.
Die britische Presse prügelte auf Torwart Paul Robinson ein, der mit einem groben Fehler die 1:2-Schlappe eingeleitet hatte: Hast Du Dich als Lehmann verkleidet?, lästerte der Daily Mirror. Der umstrittene Trainer Steve McClaren erhielt hingegen eine Schonfrist.
Vor dem Spiel hatten die Engländer Hohn und Spott über Jens Lehmann ausgeschüttet, nachdem die deutsche Nummer 1 beim FC Arsenal zwei Mal böse gepatzt hatte. Als Arsenal-Mann bin ich natürlich immer beunruhigt, wenn Lehmann im Tor steht, lästerte Stürmerlegende Ian Wright noch Minuten vor dem Anpfiff: Aber heute als Engländer bin ich hocherfreut. Knapp eine Stunde später hatte Robinson England in eine Torwart-Krise gestürzt.
Natürlich mache ich mir jetzt Sorgen, gestand der sichtlich zerknirschte Tottenham-Schlussmann. Der Ausgleich durch Kevin Kuranyi (26.) ging klar auf seine Kappe, da er die missglückte Flanke von Bernd Schneider dem Schalker vor die Füße klatschte. Auch in der Folgezeit unterliefen dem 27-Jährigen weitere Fehler, ehe er in der Halbzeit gegen den zehn Jahre älteren David James ausgetauscht wurde. Auch wenn McClaren nachher betonte, der Wechsel sei bereits vor dem Anpfiff vereinbart worden, urteilte der Guardian: Robinson droht der Rauswurf.
McClaren, der sonst eigentlich nach jedem Spiel im Zentrum der Kritik steht, kam diesmal glimpflich davon. Erst wenn wir uns nicht qualifizieren, ist die Zeit gekommen, McClaren etwas vorzuwerfen, aber nicht heute, forderte der Daily Mirror. Die anstehenden EM- Qualifikationsspiele gegen Israel, Russland, Estland und Kroatien entscheiden über die Zukunft des Trainers. Derzeit ist England in Gruppe E nur Tabellenvierter.
Um die Qualifikation zu schaffen, muss das neue Wembley-Stadion jedoch zur Festung werden. Nach zwei Spielen in der 90 000 Zuschauer fassenden Arena wartet England noch immer auf den ersten Sieg. Aber Brasilien und Deutschland waren auch schwere Gegner, meinte Frank Lampard, Torschütze des frühen 1:0 (9.).
Auch wenn das Spiel aufgrund der verletzungsbedingten Absagen auf beiden Seiten für viele ein Muster ohne Wert war, schmerzt die 1:2- Schlappe gegen den Erzfeind die englischen Fans. Eine Demütigung nannte die Sun die widerwärtige Niederlage gegen eine Mannschaft, die alle Topstars - die Ballacks, die Kloses und die Podolskis - zu Hause gelassen hat.
Als Gewinner darf sich David Beckham fühlen. Kritiker hatten die nötige Fitness des Superstars von Los Angeles Galaxy angezweifelt - angesichts der langen Anreise und des schwachen Niveaus der US Soccer League. Doch der 97fache Ex-Kapitän, der mit geschwollenem Knöchel in die Begegnung gegangen war, hielt 90 Minuten durch, kämpfte vorbildlich und sorgte mit seinen Flanken und Freistößen mehrfach für Gefahr. Die Reiserei hatte keinerlei Auswirkungen, sagte Beckham: Wies in der Zukunft aussieht, weiß ich nicht. Ich werde aber so lange für mein Land spielen wie ich gewünscht bin.
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