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Patient Daum sagt dem 1. FC Köln ab | 2006-11-12


Köln - Selbst Kranke werden in ihren Betten ins Foyer gerollt - doch der Fußball-Karneval am 11.11. im Kölner Elisabeth- Krankenhaus endet für die Fans des FC mit einer Enttäuschung: Der vermeintliche Heilsbringer Christoph Daumwill keine Linderung versprechen.

Daum, selbst Patient in der Klinik, erteilt dem kränkelnden Zweitligisten 1. FC Köln kurzfristig eine Absage. Nein, er wird nicht die vakante Position des Cheftrainers übernehmen, sagt er in die zahllosen Kameras und zu den vielen Mit-Patienten, die ihn umringen.

Stattdessen bekräftigte Daum seinen Anspruch, mittelfristig einen Club mit der Zielsetzung Champions League zu übernehmen. Ich möchte mich in einen Verein einbringen, der internationale Perspektiven hat, sagte der 53-Jährige. Von derlei Ansprüchen ist der Bundesliga-Absteiger aus Köln weit entfernt.

Daum begründete seine Absage mit den gesundheitlichen Problemen. Ich muss mich schonen und werde in den nächsten Wochen keine neue Arbeit antreten. Der 1. FC Köln braucht aber eine schnelle Lösung, sagte Daum in der Klinik, in der er nach einer Halsoperation behandelt wurde. Der prominente Patient war der erklärte Wunschkandidat der Kölner, die sich am vergangenen Donnerstag nach sechs Spielen ohne Sieg von Trainer Hanspeter Latour getrennt hatten. Das Angebot, das ihm FC-Manager Michael Meier bei einem persönlichen Besuch am Krankenbett offeriert hatte, bestätigte Daum auf der von ihm einberufenen und inszenierten Pressekonferenz.

Begleitet von Chefarzt Jochen Wustrow stand der derzeit beschäftigungslose Coach in Anzug und Krawatte für eine Viertelstunde bereit. Normalerweise schlurft er im Morgenmantel und mit Badelatschen durchs Krankenhaus, sagte eine Oberschwester vom Klinikpersonal. Daum wurde am 6. November mit Atem- und Schluckbeschwerden als Notfall eingewiesen. Wir haben einen Abszess am Hals und die Mandeln entfernt. Unser Patient hat Sprachbeschwerden und braucht noch etwa zwei bis drei Wochen um sich zu erholen, erläuterte Wustrow.

Mit leicht belegter, aber gut verständlicher Stimme erklärte Daum, warum er dem FC momentan nicht zur Verfügung steht. Egal, wie der Verein heißt, bei mir geht es in der nächsten Zeit nicht. Die Gesundheit geht vor, sagte der Coach, der die Kölner bereits von 1986 bis 1990 erfolgreich betreut hatte. Emotional wies Daum daraufhin, dass er es nicht gänzlich ausschließen wolle, irgendwann wieder an vergangene Zeiten anzuknüpfen.

In Köln bin ich groß geworden, hier habe ich einen hohen emotionalen Faktor, sagte Daum, der sich aber zunächst detailliert über die Perspektiven des Clubs informieren will. Wir müssen schauen, welche Rahmenbedingungen möglich sind, um den FC in die Spitzenposition zu bringen, die er mal vor 16 Jahren hatte, sagte Daum, der die Geißböcke seinerzeit zur Vizemeisterschaft führte. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus traf er sich mit FC- Präsident Wolfgang Overath und Manager Meier. Es war ein sehr gutes Gespräch, weitere werden folgen. Wir sind mit einem sehr positiven Gefühl auseinander gegangen. Wir werden um ihn kämpfen, sagte Meier, der Daum einen Vierjahresvertrag mit einer Jahresgage von 2,5 Millionen Euro angeboten haben soll.

Nach seiner Entlassung bei Bayer Leverkusen im Oktober 2000 wegen der Kokain-Affäre arbeitete Daum nicht mehr in der Bundesliga. Bis zum Sommer war er in der Türkei tätig und lebt nun wieder in Köln. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er wieder in der Heimat tätig sein wolle, strebe aber höhere Ziele als die 2. Liga an: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Ruhe ist nach dem Medienrummel wieder im St. Elisabeth-Krankenhaus eingekehrt. Wir sind flexibel und können improvisieren. Jetzt wollen wir uns aber wieder um unsere 320 anderen Patienten kümmern, sagte Klinik-Geschäftsführer Horst Kugelmeier.


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