Buenos Aires - Mit einer ebenso drastischen wie ungewöhnlichen Maßnahme versucht der Argentinische Fußball-Verband AFA der seit Monaten außer Kontrolle geratenen Gewalt in den heimischen Ligen wieder Herr zu werden.
Bis zum Jahresende dürfen Fans der jeweiligen Gast-Mannschaft nicht mehr ins Stadion. Erlaubt ist der Zutritt lediglich den Anhängern des Heim-Teams. Dies gab Verbandschef Julio Grondona in Buenos Aires bekannt, nachdem so genannte Barrabravas im ganzen Land seit längerem für heftige Ausschreitungen sorgen.
Die Sanktionen sollen auch auf Druck von politischer Seite aus zu Stande gekommen sein. Neben Innenminister Aníbal Fernández, der den Randalierern den Kampf ansagte, hatte auch der Gouverneur von Buenos Aires, Felipe Solá, eine harte Hand gegen die pure Gewalt in den Stadien gefordert. Er wollte die Maßnahmen der AFA, der bislang von vielen Seiten Versagen im Kampf gegen die Radaubrüder nachgesagt wird, nicht in Frage stellen, sagte Solá nach der Bekanntgabe. Er hoffe, dass sie die gewünschten Resultat brächten. Denn sollten sie dies nicht, werde kein Polizist mehr in irgendein Stadion der entsprechenden Provinz abgestellt.
Woche für Woche kommt es in Argentinien zu Spielabsagen oder - Abbrüchen. Vor wenigen Tagen wurden Profis des Erstligaclubs Gimnasia von eigenen Fans mit einem Schuss in jedes Bein bedroht, falls sie ein wichtiges Spiel gegen Boca Juniors gewinnen sollten. Die Partie endete mit einem 4:1-Erfolg von Boca. Auch Nationalidol Diego Armando Maradona forderte alle Verantwortlichen zum dringenden Handeln auf.
Ein weiterer Auszug aus der Randale-Liste: Bei einer Partie zwischen Colón und Velez wurde ein Schiedsrichterassistent mit einem Wurfgeschoss von der Tribüne aus verletzt. Die Anhänger von Newells und Belgrano lieferten sich heftige Prügeleien in und außerhalb des Stadions. Das Zweitligaspiel zwischen Olimpo und Ferro wurde nach schweren Ausschreitungen auf den Rängen abgebrochen. Laut der Zeitung La Nación ist statistisch alle 2,65 Tage ein Gewaltakt zu beklagen. Am gefürchtetsten sind die Barrabravas, in denen die besonders gewaltbereiten Anhänger Boca, River, Newells Old Boys und Rosario Central organisiert sind.
Von einer außerordentliche Maßnahme sprach Boca-Boss Mauricio Macri. Es sei aber keine Lösung, befand er zum Ausschluss der Gäste-Fans. Es diene in erster Linie zur Abkühlung der erhitzten Gemüter. Verbands-Chef Grondona machte bereits deutlich, dass die Zuschauer- Regelung nur vorübergehend sei.
In der Bevölkerung stößt die Maßnahme auf wenig Verständnis. In einer Online-Umfrage von La Nación empfanden lediglich 17,5 Prozent die Regelung als effizientes Mittel gegen die Gewalt in den Stadien. Für 23,5 Prozent war sie indes nicht ausreichend. Über 35 Prozent bezeichneten sie sogar als Effekt heischende Geste, während sie 22 Prozent als falsch einstuften.
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