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Bochums Sturz ans Ende - Glückliche Alemannia | 2006-10-01


Aachen - Am Ostermontag feierten sie euphorisch den gemeinsamen Aufstieg, jetzt haben sich ihre Wege getrennt: Mit dem ersten Liga-Sieg gegen den VfL Bochum seit 46 Jahren stürzte Alemannia Aachen die Westfalen an das Tabellenende und in eine frühe Bundesliga-Krise.

Es ist extrem frustrierend. Zwei Minuten gepennt, und das reicht schon für eine Niederlage, zeigte sich Bochums Trainer Marcel Koller nach dem 1:2 (1:0) vor 20 300 Zuschauern im ausverkauften Tivoli wie vor den Kopf gestoßen. Der Fußball-Lehrer aus der Schweiz verstand die Welt nicht mehr.

Hoch überlegen, klar dominant, die sonst so heimstarken Aachener 45 Minuten lang in Ehrfurcht erstarrt - und doch stand der VfL am Ende mit leeren Händen da, weil ein kollektiver Tiefschlaf der VfL-Profis den Gastgebern durch Jan Schlaudraffs vierten Saisontreffer (48. Minute) und Sascha Rösler (49.) zwei Tore innerhalb von nur 57 Sekunden ermöglichte. Zudem verweigerte Schiedsrichter Lutz Wagner dem vermeintlichen Ausgleich durch Heiko Butscher (87.) die Anerkennung.

Vor und nach dem Zwei-Minuten-Blackout hatte Bochum alles im Griff und führte durch Zvjezdan Misimovic (36) höchst verdient. Es ist unglaublich frustrierend, ohne Punkte dazustehen. Wir müssen in der Halbzeit 3:0 führen, klagte Koller. Doch Versäumtes sollte sich rächen und VfL-Boss Werner Altegoer auf die Palme bringen: Ich bin nur sauer. Wenn wir hier 2:0 oder 3:0 führen, spricht über diese heutige Alemannia keiner, erboste sich Altegoer über die Nachlässigkeit der Koller-Elf, die sich bietenden Chancen nicht zu nutzen. Altegoer: Die müssen den Sack nur zumachen. Dann ist das Ding zu Hause.

Jetzt herrscht an der Castroper Straße erst einmal schlechte Stimmung nach nur vier Punkten aus sechs Spielen und den Niederlagen gegen vermeintliche Abstiegs-Konkurrenten wie Aachen, Mainz oder Cottbus. Koller: Wir müssen dran bleiben, obwohl es ein psychischer Knacks ist. Der Schweizer, der mit dem 1. FC Köln 2004 aus der Bundesliga abstieg und nun gegen Bremen und Dortmund vor zwei schweren Aufgaben steht, setzt auf den Umkehr-Effekt: Die Niederlage wird uns stärker machen. Aber noch fehlt uns die Galligkeit und die Geilheit, ein 1:0 auch mal mit Erfolg zu verteidigen.

Koller-Widerpart Michael Frontzeck räumte ein, dass der Sieg sehr, sehr glücklich war. Ich muss dem Marcel Koller völlig Recht geben: Bochum hat einfach den Sack nicht zugemacht. Nach dem zweiten Sieg im zweiten Heimspiel mit ihm als Chefcoach beanspruchte Frontzeck nur einen kleinen Teil des Erfolges für sich: Ich bin in der Halbzeit etwas lauter geworden. Denn so kann man sich in der ersten Liga nicht präsentieren. Und die Spieler haben es verstanden. Neun Punkte aus sechs Partien, enger Kontakt zu den Top-Teams - nun möchte ich noch Dinge stabilisieren, die mir nicht so gefallen haben. Dieser Sieg hilft uns, in Ruhe weiterzuarbeiten.


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