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Hertha übt schonungslose Selbstkritik | 2006-10-02


Berlin - Sie ließen die Köpfe hängen und schlichen enttäuscht aus dem Olympiastadion. Obwohl sie zum zehnten Mal in der Geschichte der Fußball-Bundesliga die Tabellenführung übernommen haben, dominiert bei den Spielern von Hertha BSC der Ärger über das 2:2 gegen den VfB Stuttgart.

Platz eins interessiert mich nicht. Ich hätte lieber gewonnen und wäre Zweiter, meinte Andreas Neuendorf unzufrieden, obwohl der 31-jährige Ersatzmann an beiden Treffern der Berliner beteiligt war und das Vertrauen von Trainer Falko Götz gerechtfertigt hatte.

Mit nur zehn Punkten sind die Berliner der schlechteste Tabellenführer seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung in der Bundesliga 1996. Bisher haftete diese Marke dem Team von Bayer Leverkusen an. Die Werks-Elf hatte nach dem sechsten Spieltag 1999 aber immerhin 14 Punkte auf dem Konto.

Die Spielanalyse von Armin Veh schmerzte dann auch seinen Kollegen Falko Götz. Wir hätten das Spiel am Ende gewinnen können, sagte Stuttgarts Trainer. Götz biss sich auf die Lippen. Er konnte ihm nicht widersprechen, weil Veh Recht hatte. Hertha waren eklatante Fehler unterlaufen und konnte am Ende froh sein, dass der VfB nur zwei davon mit Gegentreffern bestrafte.

Dabei hatten die Berliner zunächst vieles richtig gemacht. Nach dem peinlichen UEFA-Pokal-Aus gegen Odense BK hatte Götz seine Mannschaft deutlich offensiver aufgestellt. Gegen Stuttgart agierte Hertha mit einer Dreierkette in der Abwehr, davor mit einem Fünfer- Mittelfeld, das viele Akzente setzte und maßgeblich dafür verantwortlich war, dass aus dem frühen Rückstand durch Mario Gomez (4.) innerhalb kurzer Zeit durch Arne Friedrich (9.) und Marco Pantelic (14.) eine 2:1-Führung wurde.

Der Offensivdrang seiner Vorderleute hatte hingegen Hertha-Torwart Christian Fiedler einige Nerven gekostet. Beide Gegentore waren Geschenke, stellte der Schlussmann fest, der neben dem Tor von Gomez auch noch den Ausgleichstreffer durch Cacau (57.) kassierte.

Überzeugen konnte bei Hertha Sofian Chahed auf seiner neuen Position im Mittelfeld. Im Gegensatz dazu war Kevin Boateng eine Enttäuschung. Der Youngster, der gegen Stuttgart nicht die Position des verletzten Spielmachers Yildiray Bastürk einnehmen durfte und auf der linken Außenbahn reichlich verloren wirkte, fand drastische Worte: Das war eine katastrophale Leistung von mir. Doch an ihm allein lag es nicht, dass die Herthaner trotz erkämpfter Tabellenführung am Ende wie gefühlte Verlierer dastanden.

Obwohl wir wieder Erster sind, haben wir eine Riesenchance vertan, urteilte Manager Dieter Hoeneß. Einzig Zecke Neuendorf gewann der Tabellenführung schließlich doch noch etwas Positives ab und blickte auf das kommende Punktspiel in München: Dass wir als Spitzenreiter zu den Bayern fahren, gab es wohl noch nicht.


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