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Nationalkicker und Kanzlerin auf Rotem Teppich | 2006-10-03


Berlin - Der WM-Film Deutschland. Ein Sommermärchen hat vor einem begeisterten Publikum Premiere in Berlin gefeiert.

Mit donnerndem Applaus bedachten die 1700 geladenen Gäste, darunter Prominenz aus Politik sowie Sport- und Showbranche, Regisseur Sönke Wortmann nach der Ur-Aufführung des mit Spannung erwarteten Dokumentarstreifens. Man merkt, die WM war nicht nur ein Erfolg auf sportlicher Seite, auch der positive Patriotismus besteht weiter, sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Schon vor der Premiere hatte vor dem Berlinale Palast am Potsdamer Platz eine ausgelassene Atmosphäre wie zu WM-Zeiten geherrscht. Die Fußball-Nationalspieler liefen in ihren Designer-Anzügen über den Roten Teppich, Bundeskanzlerin Angela Merkel kam im bronzenen Blazer, nur Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann fiel modisch etwas ab: Im grauen T-Shirt sendete er per Video eine Party-Botschaft vom Strand in Kalifornien.

Filmemacher Wortmann hatte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor und während der WM im Sommer vom ersten Trainingslager in Sardinien bis zum emotionalen Abschied nach dem dritten Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit der Kamera begleitet und dabei bislang nie gesehene Aufnahmen auch aus dem sonst hermetisch abgeschirmten Quartier oder der Umkleidekabine der DFB-Auswahl gemacht.

Ich finde es einmalig. So etwas wird es nie wieder geben. Das ist auch ein Dokument für die Zukunft, sagte Bundestrainer Joachim Löw in der ARD-Sendung Brisant extra, die live aus Berlin berichtete. Auch Franz Beckenbauer freute sich auf den Streifen: Ich war in der Kabine ja nicht dabei. Ich bin gespannt, was es zu sehen gibt. Der Fußball-Kaiser wurde nicht enttäuscht. Während des Films spendeten die Zuschauer immer wieder Szenenapplaus. Regierungschefin Merkel erinnerte an die auch für sie tollen WM-Tage: Wir haben uns bei der WM als gute Gastgeber präsentiert. Das ist es, warum ich heute hier bin.

Klinsmann verzichtete auf einen Transatlantikflug, sprach aber per Videoeinspielung zu dem illustren Publikum im Saal. Es war ein fantastischen Erlebnis. Ein Erlebnis, das unter die Haut ging. Was alle geleistet haben, ist phänomenal gewesen, sagte Klinsmann und forderte das Publikum auf: Lasst es knallen in den Kinos.

Außer dem zurückgetretenen Torwart Oliver Kahn und dem schwer verletzten Gerald Asamoah waren alle deutschen WM-Spieler zur Premiere gekommen und wurden im Blitzlichtgewitter auf dem für sie ungewohnten Roten Teppich von ihre Frauen begleitet. Mehrere hundert meist jugendliche Anhänger warteten trotz Regens vor dem Kino, um einen Blick auf ihre WM-Helden zu erhaschen.

Wortmann hatte schon mit seinem Spielfilm zum WM-Sieg 1954 seine Fußballtauglichkeit im Filmgenre demonstriert. Der Streifen Das Wunder von Bern hatte 3,6 Millionen Menschen in die Kinos gelockt. Diese Marke dürfte vom Fußball-Sommermärchen mindestens erreicht werden. Es sieht danach aus, dass es ein Erfolg wird. Das freut einen natürlich, sagte Wortmann. Die Erlöse des 108 Minuten-Films, der einen siebenstelligen Euro-Betrag einspielen dürfte, kommen auf Wunsch der Nationalspieler den SOS-Kinderdörfern zu Gute.

Zu den Premierengästen gehörten neben der Popband Sportfreunde Stiller, die den WM-Song 54, 74, 90, 2006 kreierten auch die Schauspieler Peter Lohmeyer, der im Wunder von Bern eine Hauptrolle gespielt hatte, und Martina Gedeck. Als ehemalige Fußballgrößen betrachteten WM-OK-Chef Beckenbauer und der heutige TV-Experte Günter Netzer den Streifen, den Wortmann aus mehr als 100 Stunden Material zusammengestellt hatte. Offizieller bundesweiter Kinostart des WM- Sommermärchens ist am kommenden Donnerstag. Im Fernsehen ist der Film am 29. Dezember als Koproduktion des WDR in der ARD zu sehen.


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