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Stuttgart entdeckt neue junge Wilde | 2006-10-04


Stuttgart - Von den alten jungen Wilden ist nur noch Timo Hildebrand dabei. Als Ersatz-Kapitän dirigiert der 27-jährige Nationaltorhüter derzeit die neue Generation hochtalentierter Jungprofis, die beim VfB Stuttgart für Furore sorgen.

Nach vielen Fehleinkäufen und Fehlschlägen mit den Trainern Matthias Sammer und Giovanni Trapattoni hat der schwäbische Fußball-Bundesligist zwangsläufig wieder zu seinem Konzept zurückgefunden. Meinen Plan, junge Leute einzusetzen, ziehe ich bis zum Schluss durch, sagt Trainer Armin Veh. Er weiß, dass daran auch seine Zukunft hängt. Die Jungs sind mir ans Herz gewachsen und unheimlich ehrgeizig.

Kevin Kuranyi erlag den Verlockungen aus Schalke, Alexander Hleb wirbelt mittlerweile in der Champions League für Arsenal London, Philipp Lahm hat beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft Karriere gemacht, und Andreas Hinkel versucht sein Glück beim FC Sevilla. Nur Hildebrand ist noch übrig von jenem Quintett, das einst unter Felix Magath für Furore sorgte. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, sagt der Torwart und bittet Fans und Medien um Geduld: Es braucht Zeit, bis das Gefüge passt.

Glänzend eingefunden hat sich Serdar Tasci: Der 19 Jahre alte Sohn eines türkischen Baggerführers und einer Lehrerin erkämpfte sich nach dem Ausfall von Fernando Meira einen Platz in der Abwehr. Er gehört ebenso wie seine VfB-Kollegen Mario Gomez und Roberto Hilbert zum Aufgebot der U 21 für die EM-Qualifikationsspiele gegen England am 6. und 10. Oktober.

Tasci schaffte es in 15 Monaten von der A-Jugend ins Bundesliga- Team und ist nach Angaben von Rainer Adrion, der als Regionalliga- Coach immer wieder Talente nach oben führt, seiner Zeit um zwei Jahre voraus. Mittlerweile haben türkische Funktionäre bei seiner Familie angeklopft, ob der Filius nicht für das Heimatland seiner Eltern spielen wolle. Trotz der glänzenden Perspektiven möchte Tasci erst einmal sein Abitur machen. Ich will einfach eine Absicherung haben, wenn es mit dem Fußball nicht klappt, erklärt er.

Auch der Deutsch-Spanier Mario Gomez scheint den Durchbruch geschafft zu haben: Beim 0:3 zum Saisonauftakt gegen den 1. FC Nürnberg war er noch der Buhmann. Veh unterstellte dem Stürmer und seinem Mitspieler und Freund Christian Gentner Schlafmützigkeit. Doch inzwischen hat der 21 Jahre alte Gomez, dem viele mehr Talent bescheinigen als Kuranyi, den VfB-Topverdiener Jon Dahl Tomasson verdrängt. Dass Mario die nötige Ruhe vor dem Tor bekommt, ist ein Lernprozess. Wir können nicht von heute auf morgen von ihm verlangen, dass er vor dem Tor so abgebrüht ist wie Roy Makaay, sagt Teammanager Horst Heldt.


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